Was meine Wahlentscheidung mit diesem Internet zu tun hat

Wie sicherlich jeder weiss, so stehen bald Wahlen an. Am 25. Mai 2014 wird für das Europaparlament abgestimmt. Da ich auch für diese Wahl wieder via Briefwahl wähle, liegen mir die Wahlzettel bereits vor. Zusätzlich auch die für die in Leipzig stattfindende Stadtratswahl.

Europa Wahl 2014

Die Abstimmung für die Europawahl wahr nicht trivial, aber die bestehende Tendenz dank einem Gespräch bei der #rp14 dann doch recht schnell getroffen. Dann nahm ich mir den Wahlschein für die Stadtsratswahl vor und Kreu… Oh, Moment, ich muss da konkret Personen ankreuzen. Doof. Alle Namen noch nie gehört. Kein Wunder, wohne ja auch erst knapp 1 Jahr in der Stadt.

Mir ist schon klar, dass da am Ende überall Personen die Strippen ziehen. Bei der Europawahl musste brauchte ich das Kreuzchen aber „nur“ bei einer Partei machen. Da entscheiden dann die Parteimitglieder über Listenplätze, wer das Rennen macht. Das kann man mir jetzt als bequem auslegen, mich hier aus der Verantwortung zu ziehen, damit kann ich aber leben. Das Gute (für mich) bei dieser Listensache: andere, die die Personen besser und länger kennen sowie deren Kompetenz zu bestimmten Dingen wesentlich besser einschätzen können, entscheiden über die Besetzung. Ja, es ist eine gewisse Art Bequemlichkeit, das stimmt schon.

Wen wähle ich denn da eigentlich?

Zurück zur Stadtratswahl. Ok, also Namen ankreuzen. Bis zu 3 Kreuzle darf ich vergeben. Hallo Google, hallo Internet. Also Namen gegoogelt. Man (ich) will ja schliesslich wissen, was das so für Leute sind, denen man da ggfs. ein direktes, persönliches Kreuz aufbürdet. (über die intuitive Benutzung von manchen Parteiwebseiten könnte man ganze Aufsätze verfassen) Also die Daten durchgelesen, Bilder angeschaut etc. Keine Ahnung wie es Euch geht, aber ich wähle neben bestimmten politischen Tendenzen und Themen, sehr stark auch nach Sympathie. Wenn ich also eine konkrete Person wählen darf, dann sollte die mir auch sympathisch sein und zwar auf vielerlei Ebenen. Sie sollte mich verstehen können, sich in „meiner Welt“ und mit den Themen die mir wichtig sind, zumindest ansatzweise auskennen.

Internet und Social Media

Das Internet, soziale Medien, für mich sind dies wichtige Bestandteile meines Lebens, meiner Lebensgestaltung, meiner täglichen Informationsbeschaffung und es dient mir auch als Dialogmedium. Dass die politischen Lenker hierzulande in der Regeln kein glückliches Händchen bzgl. Internetthemen haben, ist leider kein grosses Geheimnis. Daher ist es mir persönlich wichtig, dass ich Leute wähle, die mit den mir u.a. sehr wichtigen Themen Internet und Social Media vertraut sind. Leute, denen soziale Medien nicht fremd sind und die selbige aktiv nutzen. Das ist nicht alleiniges Kriterium für meine Wahlentscheidung, aber (für mich) ein wichtiges und sehr relevantes.

Zugegeben, von den 11 für meinen Wahlkreis zur Verfügung stehenden Parteien kämen maximal 4 überhaupt in Frage, was die Auswahl doch etwas einschränkte (zum Glück). Sind auf den Webseiten der Parteien bzw. auf den dortigen Kandidatenprofilen Links zu deren persönlicher Webseite, Twitterprofil und/oder Facebookseite zu finden?

Sicherlich, niemand MUSS als politisch aktiver Mensch eine eigene Webseite haben, bei Twitter oder Facebook agieren etc. Nur hat der Kandidat dann bei mir schon ein ziemlich grosses Polster an Chancen verspielt. Mancher greift sich da jetzt vielleicht an den Kopf, aber für mich sind diese Dinge Teil meines täglichen Lebens und daher spielt der Umgang und die Sicht, den Kandidaten auf diesen Themen haben, schon eine erhebliche Rolle. Wie glaubhaft kann ich mich für solche Themen einsetzen, wenn ich selbst (offenbar) nichts damit zu tun habe, diese Medien und Dialogmöglichkeiten nicht selbst aktiv nutze?

Wer suchet der findet, oder auch nicht

Ich schaute mir also die in Fragen kommenden Parteien und die zugehörigen Kandidaten meines Wahlkreises an. Und neben den Bildern und Aussagen auf den Parteiwebseiten, suchte ich nach Links zu eben diesen externen Infoquellen, wie der eigenen Webseite des Kandidaten, einem persönlichen Blog, Twitteraccount oder Facebook Seite. Tja, vielleicht bin ich zu naiv herangegangen, aber die Ergebnisses waren bzw. sind leider sehr sehr traurig. Kaum eine Partei bringt es fertig, diese Dinge zu verlinken. Oder sind die Kandidaten etwas tatsächlich dort nicht vertreten?

Nach etwas manueller Suche bei den jeweiligen Netzwerken, habe ich dann erste Profile von potentiellen Kandidaten bei Twitter finden können. Sehr viele jedoch überhaupt nicht, was teilweise auch daran lag, dass Name XY so gängig war, dass die Suche zig Treffer lieferte und ich kein Profil eindeutig der gesuchten Person zuordnen konnte. Mit einer Verlinkung auf dem Kandidatenprofil wäre dieses Problem nicht vorhanden.

Immerhin sind auf den Parteiseiten allgemeine Twitter Accounts zu finden. Ding ding ding, fragste da mal nach, dachte ich. Nach etwas Anlaufschwierigkeiten kam dann ein tatsächlicher Dialog zustande. Im Ergebnis gibt es eine Spitzenkandidatin (für meinen Wahlkreis) mit einem Twitter Account (ist aber protected) und einer privaten Facebookseite (ohne öffentliche Postings). Als Erklärung wurde geschrieben, dass man dies jedem Kandidaten selbst überlassen habe und die meisten nur private FB Profile hätten, welche man ungern verlinken möchte.

Das ist ok, wie geschrieben MUSS da niemand aktiv sein. Ich persönliche möchte jedoch sehen, wie der potentielle Kandidat, welchem ich ggfs. meine Stimme gebe, auf Twitter agiert, was er/sie auf Facebook (Seite reicht, muss kein persönliches Profil sein) für Statements abgibt, wie er/sie dort mit etwaiger Kritik umgeht. Wie eben die sozialen Medien für den Dialog mit dem Wähler genutzt werden.

Nach Enttäuschung bei den ersten 3 Plätzen auf meiner eigenen Prio-Liste, kam ich zum Ende selbiger. Dort stand die SPD Leipzig und diese stellt doch tatsächlich auf den Kandidatenseiten auch vorhandene Webseiten, Twitter- und Facebookprofile dar (und sogar sehr markant und hübsch umgesetzt) bzw. verlinkt zu selbigen. Auch nicht bei allen Kandidaten findet sich da ein Verweis, aber immerhin, es gibt welche. (aber hey, SPD, bei der Kandidatensuche Strasse und Hausnummer abzufragen, um die Kandidaten überhaupt erst zu finden, nice try, aber sorry, das ist nicht schön und hätte sich ganz leicht einfacher lösen lassen)

Bei der CDU Leipzig (nur zu Recherchezwecken geschaut) finden sich zumindest Links zu entsprechenden FB Seiten (auch nicht bei allen Kandidaten, aber immerhin). Ebenfalls zu Recherchezwecken geschaut bei der FDP Leipzig. Und siehe da, auch hier finden sich (auch wieder nicht bei allen, aber doch bei einigen) Links zu FB und Twitter.

Keinerlei externe Seiten/Profile gibt es bei den Leipziger Piraten (!), Grünen und Linken.

Es mag sein, dass es für die Masse der Wähler keine Rolle spielt. Für mich und ich nehme an auch für etliche andere, die soziale Medien als normalen Bestandteil ihres Lebens betrachten, hat soetwas durchaus Relevanz. Und mir ist das nicht nur bei Politikern der „ersten Reihe“, also auf Bundesebene wichtig, sondern gerade auch auf Kommunalebene.

Nochmal: wenn Du Politik machst und sagst, Du willst nicht bei Twitter oder Facebook (stellvertretend für aktiv genutzte, grössere, jeweils aktuell beliebte soziale Netzwerke) agieren, dann ist das absolut in Ordnung. Nur kannst Du dann eben nicht über ein für mich wichtiges Thema glaubhaft sprechen und eben erst recht nicht, Dich mit mir, Deinem potentiellen Wähler, über diese Medien austauschen. Ergo: Du hast die Chance vertan, meine Stimme für Dich zu gewinnen. Nicht gänzlich, aber es bedarf schon ziemlich viel Aufwand auf anderem Gebiet, mein Interesse zurückzugewinnen.

Für die Stadtratswahl Leipzig bedeutet dies nun in der Konsequenz, dass ich mich tatsächlich und ernsthaft doch wieder mit der SPD auseinandersetze, auch wenn diese auf der Prioritätenliste ganz am Ende stand.

Fazit

Liebe Parteien, liebe Kandidaten: denkt mal drüber nach.


Steve Rueckwardt

Veröffentlicht von

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