Er, Sie, Es – Gendering und Respekt

Heute bin ich auf eine recht ausführliche und auch ein wenig hitzige Diskussion zum Thema Sprache und der Verwendung von Worten in männlicher wie auch weiblicher Form gestossen. Neudeutsch nennt sich das gerndern oder Gendering.

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass ich mit diesem Thema konfrontiert wurde. Ich verstehe die Grundlage, um die es geht. Auch habe ich kein Problem damit, wenn Menschen ihre Sprache so benutzen und entsprechende Formen in selbige einbauen. Soweit ich es verstanden, habe, geht es u.a. um Gleichberechtigung, darum, dass die weibliche Form einen ebenso hohen Stellenwert in der Sprache bekommt, wie es die männliche bereits hat. Alles ok, ich kann damit leben.

Was ich aber überhaupt nicht mag ist, wenn dies zu einem Zwang ausartet oder anderen Menschen vorgeworfen wird, dass sie, wenn sie eben nicht diese Formulierungen benutzen, sexistisch oder frauenfeindlich sind oder Frauen weniger schätzen oder achten. Denn dies geht meiner Meinung nach nicht zusammen. Für eine bestimmte Sache Gleichberechtigung fordern aber andere Menschen diskriminieren widerspricht sich.

Sprache ist etwas, was sich im Laufe der Zeit gewandelt hat und sich weiter wandeln wird. Das ist vollkommen normal und auch ok. Vielleicht wird sich die Sprache auch einmal dahingehend ändern, dass eben neue Begrifflichkeiten in sie Einzug halten. Begriffe die (sprachlich) neutral sind, wer weiss das schon. Wäre es wünschenswert? Ja, wahrscheinlich wäre es das. Wahrscheinlich würde es bei manchen Menschen die Denkweise und die Sicht auf das andere Geschlecht verändern.

Ich persönlich möchte aber nicht zu einer Sprache gezwungen werden, welche sich für mich (!) nicht gut anfühlt. Ich kann damit nichts anfangen, ich finde es umständlich und in vielen Beispielen auch vollkommen unsinnig. Das ist meine Sichtweise. Punkt.

Ich mag Frauen, nein ich liebe Frauen. Ich achte sie, schätze sie und bin sogar der Ansicht, dass sie zu oft unterschätzt werden und Männern in vielerlei Punkten ebenbürtig und in anderen überlegen sind (ebenso umgekehrt). Auch bin ich der Meinung, es sollten mehr Frauen in Unternehmen, in führende Positionen, mehr auf Podien, mehr ins Rampenlicht. Ich habe mehr weibliche Freunde als männliche und ich habe eine beste Freundin, schon immer.

Ich mag Männer nicht, die Frauen missachten, sie für minderwertig halten und/oder auch so behandeln, abschätzig über sie sprechen oder der Meinung sind, Frauen gehören in die Küche o.ä. Dies entspricht nicht meiner Sicht auf ein gesellschaftliches Miteinander. Es ist nicht mein Grundverständnis von Frauen, von Respekt.

Meine Achtung, meine Sicht auf das weibliche Geschlecht in Frage zu stellen, ja sogar pauschal zu unterstellen, dass ich mit der von mir verwendeten Form der Sprache Frauen weniger bedenken würde oder der „Unterdrückung“ Vorschub leiste etc. ist falsch. Es führt eher dazu, dass ich Menschen, welche so agieren nicht sonderlich ernst nehmen kann. Sie fordern Respekt aber haben selbst keinen vor Menschen, die anders denken und anders handeln. Das kann nicht das Ziel sein.

Jeder sollte Sprache so benutzen dürfen, wie er möchte. Und jeder sollte andere respektieren, egal, ob diese Worte mit _in, I, *in oder wie auch immer bilden oder eben nicht. Ein gemeinsames Miteinander kann mAn nur mit Respekt funktionieren. Respekt davor, die Dinge anders zu sehen als andere, ohne diesen eine bestimmte Haltung unbegründet zu unterstellen.

Bemerkung: „jeder“ oder „er“ steht in diesem Text stellvertretend für Mensch*.

(*Mensch, der; eine Bezeichnung einer bestimmten Spezies von Lebewesen der Gattung Säugetiere der Ordnung Primaten, welche aus weiblichen und männlichen Exemplaren, sowie Exemplaren, welche sowohl weibliche wie auch männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, besteht)


Steve Rueckwardt

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na, da stimme ich doch mal zu.
    Mich nervt dieses ganze Gendern auch sehr.
    Möglicherweise sind meine Nerven auch ein wenig überstrapaziert, da ich häufiger Texte lese, die von Menschen stammen, die der linken Szene angehören und sich da besonders gerne für so etwas einsetzen.
    Ebenso gab es ständig Diskussionen, was die Unizeitung unserer Stadt betrifft.
    Inzwischen finde ich das ganze „_*/“-gehabe primär albern.
    Ich bin eine Frau, ich war schon immer eine Frau und habe mich ganz sicher noch niemals durch das Geschlecht eines Wortes beleidigt gefühlt und werde mir das auch nicht einreden lassen.
    Ich finde es im Gegensatz eher ein wenig peinlich. Ich denke, man will gleich sein. Warum muss ich mein Geschlecht dann besonders hervorheben?
    Mag ja irgendeine löbliche Idee hinterstecken.. aber es zu übertreiben, wird möglicherweise die falsche Wirkung haben.

    Liebe Grüße :)

  2. Pingback: Laci Grenn: Elliot Rodger ist mehr als nur ein Verrückter (#YesAllWomen) | steve-r.de

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