Hausbau: zu klein, zu gross, zu teuer?

Die Zeit, immer wieder die Zeit, wo ist sie nur hin. Nachdem ich im letzten Artikel mitteilte, dass es nun langsam losgeht, hat sich in den letzten 3-4 Monaten doch einiges getan. Vorweg genommen: der Rohbau steht und das Dach ist auch fast fertig.

Hausbau - Einschalung Bodenplatte

Bild: © Steve Rueckwardt

Zu klein / zu gross?

In den letzten Wochen und Monaten waren wir in der Regel 1x wöchentlich auf der Baustelle und haben uns die Fortschritte angeschaut und natürlich auch fotografisch festgehalten. Dabei gab es immer wieder unterschiedliche Eindrücke zum jeweiligen Stand.

Wenn Du das bisher alles nur auf Plänen siehst, bekommst Du (bzw. machst Du Dir) eine bestimmte Vorstellung. Dann beginnt die Umsetzung in der realen Welt und das, was Du siehst, passt nicht zwangsläufig immer zu dem was Du Dir vorgestellt hast. Hatten wir bei der Baugrube den Eindruck „das ist ja schon grösser als gedacht“, gab es zwischenzeitlich dazu immer wieder wechselnde Eindrücke. Das Büro wirkte dann doch etwas kleiner, dann wieder ausreichend. Die Küche doch zu knapp, dann wieder ok etc.

Hausbau - Mauerwerk Erdgeschoss

Bild: © Steve Rueckwardt

Am vergangenen Freitag hatten wir Richtfest und ein paar unserer Gäste hatten bei der kleinen „Hausführung“ erwähnt, dass es ja schon ziemlich gross sei und wie viele Familien denn einziehen würden. Beim ersten Mal, als dies jemand sagte, war es noch lustig, spätestens nach dem 3. Mal empfand ich das ziemlich nervig. Es kam teilweise auch etwas „vorwurfsvoll“ rüber (was aber vielleicht auch nur mein Empfinden war/ist).

Klar, allein die Zahlen betrachtend ist das Haus nicht klein, dies ist uns soweit klar. Bedingt dadurch, dass ich meine geschäftliche Haupttätigkeitsstätte mit im Haus haben werde, ergeben sich dadurch natürlich andere Voraussetzungen, welche andere Bauleute ohne diesen Umstand nicht haben.

Ich war sehr dankbar, dass andere Gäste wiederum auch sagten, dass sie es nicht zu gross und sie es schön finden, wie es bisher aussieht. Die anderen Stimmen lassen mich zwar derzeit noch nicht so ganz los, aber ich komme immer näher an den Punkt, dass ich mir sage: hey, who cares?! Am Ende werden wir im Haus wohnen und uns muss und wird es gefallen. Andere Leute dürfen es ja gern ihren Vorstellungen entsprechend anderes handhaben. 

Ist es Euch beim Hausbau auch so ergangen, dass die Anpassung der Vorstellungen an die Realität – wie so oft im Leben – manchmal zwar nicht ganz so einfach ist und die Eindrücke ständig wechseln? Aber ich denke, es wird soweit schon alles so passen und wir uns mit den Gegebenheiten arangieren. :) 

Kostenschock

Kaum ging es langsam los, kam dann aber auch gleich der erste Schock. Ich hatte gehofft, mit dem ganzen Hin und Her mit der Verkäuferfirma haben wir mit unangenehmen Punkten unser Soll für die Bauzeit schon voll. Leider war dem nicht so.

Kurz nach Aushub der Baugrube wurde festgestellt, dass die finale Höhe des Strassennivieaus und die Höhenlage des Grundstücks eine relativ hohe Abweichung aufweisen. Es muss mehr aufgeschüttet werden, als ursprünglich angenommen. Auch bzgl. der Bewehrung/Statik haben sich noch ein paar Anpassungen ergeben. Nachtragsangebot >25.000 EUR. Bähm. Ja, wir hatten einen Puffer für bestimmte Abweichungen eingeplant. Aber den wollte ich doch nicht gleich zu Beginn verpuffen lassen.

Nach etwas Überlegerei und Gedankenspielen, sowie Rücksprache mit unseren Eltern, haben wir uns entschlossen, die Höhe der Bodenplatte bzw. Oberkante Fertigfussboden nicht auf Strassennivieau anpassen zu lassen, sondern etwas tiefer zu gehen. Dadurch konnten wir die Zusatzkosten etwas senken. Dennoch belastet dieser Punkt natürlich direkt zu Beginn, was nicht sonderlich schön ist. Denn es kommen ja noch etliche andere Gewerke, wo auch mal schnell dies oder jenes ausser der Reihe anfallen kann.

Hinzu kommt, dass wir die ganzen Angebote/Kostenvoranschläge noch einmal zusammengefasst haben und die Summe „plötzlich“ deutlich mehr war, als an Kapital real zur Verfügung steht. Woher diese Differenz kommt ist nicht so ganz klar. Sicherlich spielt der anfängliche Mehraufwand und die daraus resultierenden Mehrkosten eine relevante Rolle. Ich hatte hier den Fehler gemacht und mich etwas zu sehr auf die Planung und Koordination des Architekten verlassen. Ich vermute, dass der Kaufpreis für das Grundstück in seiner Planung der Finanzen versehentlich nicht mit berücksichtigt wurde.

Mir war es im Zuge der Angebotseinholungen irgendwann schlicht zu viel und zu unübersichtlich, dass ich mich hier zu sehr auf den Architekten verlassen hatte und lediglich ab und an nachgefragt habe, ob er auch die Kosten und das Budget (was ihm von uns vorab mitgeteilt wurde) im Blick hat. Nun zwar zu spät, aber diesen Fehler würde ich natürlich nicht mehr machen. 

Mittlerweile habe ich diverse Tabellen und Berechnungsformeln angelegt um die Kosten konkret im Blick zu behalten. Ich weiss, wie viel Geld bereits ausgegeben wurde, welche Summe noch für welches Gewerk benötigt wird, wie viel verbleibendes Kapital noch zur Verfügung steht etc.

Wie wir das Thema nun final lösen werden, müssen wir sehen, ich bin aber zuversichtlich, dass wir das schaffen werden. Manche/r mag nun die Hand an den Kopf führen und sagen/denken: „Man sind die doof.“ und ich hätte das Ganze hier auch verschweigen können. Aber Menschen machen Fehler, ich kann zu meinen stehen, auch wenn es – wie in diesem Fall – vielleicht etwas unnötige und naive sind.

Learning: wenn Ihr baut, legt Euch gleich zu Beginn Listen/Übersichten an, welche die aktuellen und geplanten Kosten sowie das verfügbare Kapital leicht verständlich und übersichtlich darstellen.

Welche Fehler sind Euch beim Hausbau unterlaufen?

Blick für Einsparmöglichkeiten

Dieses Thema hat aber auch zur Folge, dass wir nun noch genauer hinschauen. Für gewöhnlich diskutiere ich Angebote nicht grossartig. Als Unternehmer gehe ich davon aus, dass andere Unternehmer:innen ein Angebot mit fairen Konditionen abgeben und neben den Selbstkosten auch eine Marge für Gewinn enthalten ist, die ein Unternehmen schlicht braucht, sie aber dennoch fair und stimmig ist.

Die Entscheidung für ein Angebot und damit ein Gewerk fällt dann anhand einer Mischung aus Preis-/Leistung, Sympathie sowie einem Bauchgefühl. Sind wir damit bisher gut gefahren? Dazu gleich mehr.

Bedingt durch die erwähnten Umstände, habe ich das etwas verwerfen müssen und hier und da doch Positionen gegengeprüft und bei einigen Punkten waren doch einige Möglichkeiten zur Einsparung machbar. Führt am Ende aber auch zu mehr Eigenleistung/Eigenanschaffung. Das ist aber nicht so schlimm, unseren hadwerklich begabten Vätern zum Dank. 

Ein kleines bisschen verblüfft waren wir beim Thema Sanitärausstattung. Die Preise die wir hier zu hören/sehen bekamen, brachten uns doch öfters zum Schlucken. Hier gab es alternative Bezugsquellen, welche ein erhebliches Einsparpotential zu Tage brachten. Dies hat schon einige tausend Euro ausgemacht. Auch bei Garagentor und Innentüren konnten wir einiges an Kosten reduzieren.

Wahl der Gewerke

Bisher sind wir mit der Wahl der Unternehmen sehr zufrieden. Primär bisher natürlich die Maurer-/Hochbaufirma. Wirklich angenehme Zusammenarbeit bisher und auch die Arbeiter auf der Baustelle, soweit ich sie bisher habe kennenlernen können, wirken sympathisch und soweit ich das überblicken kann, machen sie auch gute Arbeit. Gleiches gilt für die Zimmerei- und Dachdeckerfirma.

Hausbau - Mauerwerk Erd- und Obergeschoss

Bild: © Steve Rueckwardt

Die Fensterfirma, bzw. dessen Inhaber, ist auch nicht unsymapthisch. Jedoch wirkte er teilweise etwas „verpeilt“. Wir haben das Angebot und dann später auch die Auftragsbestätigung mehrfach im Details überprüfen und korrigieren müssen. In der Regel bei Punkten, die jedoch schon mehrfach klar und eindeutig besprochen wurden. In Kürze kommen dann weitere Gewerke hinzu. Bisher haben wir in diesem Punkt aber auch ein recht gutes Gefühl.

Aktuelle Stimmung

Die Stimmung ist an sich gut. Wir sind bei jedem grösseren Fortschritt (auch bei kleineren :D) immer ziemlich aufgeregt und freuen uns wie kleine Kinder. Zu sehen, wie sich der Bau entwickelt ist wirklich schön und macht glücklich. 

Hausbau - Mauerwerk inkl. Dachstohl

Bild: © Steve Rueckwardt

Zu einer tollen Überraschung wurde das Kennenlernen unserer neuen Nachbarn auf der Ostseite. Diese hatten wir bisher noch nicht gesehen. Kürzlich standen sie aber auf ihrem Grundstück, als wir unseres besuchten. Und siehe da: Nadine kennt beide aus ihrer Heimatstadt. Die Verwunderung, aber auch Freude, war auf beiden Seiten recht gross. :) Das Leben geht manchmal schon seltsame Wege.

Absoluter Stimmungsförderer ist aber die Tatsache, dass wir seit kurzem Wissen, dass wir kurz nach dem (zum Jahresende geplanten) Einzug, nicht mehr lange nur zu zweit im Haus leben werden.  :-) 

Alles in allem ist es aufregend und wir lernten und lernen viel dazu. Manches hätte vielleicht nicht sein müssen, aber Dinge kommen eben wie sie kommen. Auch das werden wir irgendwie gewuppt kriegen. Durch die Decken und das Dach fühlt sich das Haus nun auch langsam realer wie ein Haus an. Und es ist ein wirklich schönes Gefühl. :)

Hausbau - Dacjdeckung

Bild: © Steve Rueckwardt


Steve Rueckwardt

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Herzlichen Glückwunsch zu dem Nachwuchs. Ihr macht das mit dem Hausbau schon richtig. Genau wegen der Schwierigkeit auf dem Papier ein Haus zu planen und sich realistisch vorstellen zu können wie es sich anfühlt da zu wohnen würde ich mich schwer tun selber zu bauen. Das ist ganz und gar nicht einfach. Grüße Anne

    • Steve Rueckwardt

      Vielen Dank liebe Anne. :)

      Ja, einfach ist es wahrlich nicht. Aber es ist eben gerade jetzt auch ein wirklich tolles Gefühl, zu sehen wie sich das Papierprojekt dann in „echt“ entwickelt, wächst. :)

  2. Hallo Steve,
    auch von mir Glückwunsch zur weisen und vorausschauenden Größenplanung des Hauses! Klingt für mich so, als hättest du da alles richtig gemacht…
    Und wenn es in 4 Jahren und für die dann kommenden Drillinge nicht reicht: einfach anbauen ;)

    Ich konnte aus Platzmangel meines Webspaces leider nicht all die Fehler und Learnings unseres Baus damals aufführen; umso erfrischender zu sehen, dass es auch ein paar Jahre später und anderen nicht wirklich anders geht.
    BTW: der Innenausbau hat auch noch Potential für Überraschungen, hat mir persönlich aber noch mehr Spaß gemacht beim Zusehen, als der Rohbau selbst

    Viel Freude mit dem Bauwerk Dir und Deiner Familie!

    Jens

  3. Hallo Steve,

    schön mal ein Update von dir zu lesen.
    Die Sorge, ob zu groß oder zu klein kann ich ganz und gar verstehen. Ich bin, seit ich den Rohbau gesehen habe, bei zu klein. Ich glaube, dass Empfinden bleibt bis die Möbel alle unter gekommen sind.
    Lass die Leute reden, die fragen wer oder was da alles unterkommen soll. Man kann nie zu groß bauen.
    Das mit der Kostenkallkulation ist ärgerlich, aber haben wir hier auch. Obwohl wir mit einem Bauträger bauen, der diese Kosten tragen muss, sind bei uns die Kosten für Sonderwünsche manchmal (auch Sanitär) extrem hoch. Wir sind jedoch an den Handwerker gebunden und können uns kein weiteres Angebot einholen. Zumindest für handwerkliche Arbeiten während der Bauzeit.

    Ich glaube, jeder der ein Haus baut kommt an den Punkt wie naiv, gutgläubig oder doof man selbst ist. Die Erfahrung machen wir auch gerade. Das ist kein schönes Gefühl.

    Wir haben ja von keinem Gewerk ein Angebot bekommen, dass ohne Fehler war. Selbst das einfachste Angebot stimmte nicht. Da könnte noch etwas Zeit und Nerven auf euch zu kommen.

    Ich wünsche euch viel Kraft sowie gute Nerven und bin gespannt, ob ihr vor uns einziehen werdet.

    Viele Grüße aus Berlin
    m_minze

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