veränderte Gewohnheiten: Ernährung

Ich weiss noch, als ich ein kleiner Bub war, da mochte ich Mineralwasser so gar nicht. In der damaligen DDR nannte man das (so erinner ich mich zumindest) Selters. Und ich weiss noch, dass es Brechreiz auslöste, als ich nur dran dachte, dies trinken zu müssen. Ich bevorzugte Limonade oder Milch. Später, also in der Nachwendezeit, war ich für zuckerhaltige Getränkekreationen aus dem Hause Coca Cola sehr empfänglich. Sprite, Fanta, ab und an auch mal Coke und so manches kurzfristig verfügbares Erfrischungsgetränk waren ein gern gesehener Gast. Ich kaufte gleich kastenweise ein. Nur Wasser trinken? Konnte ich mir nicht vorstellen.

Ernährung / Lebensmittel

Irgendwann begann ich, die Getränke etwas mit Wasser zu verdünnen und irgendwann, ich weiss nicht mal (mehr) so recht warum, war der innere Wunsch nach einem solchen Getränk weg und ich begann, Wasser zu trinken. Anfangs „spritzig“, später Medium. Vom Wasser kaufen ging ich irgendwann auch weg und bereitete das Leitungswasser mit einem Wassermax auf, so dass ich etwas „Sprudel“ drin hatte. Mittlerweile bevorzuge ich einfach Leitungswasser pur.

Ich sah es schlichtweg nicht mehr ein, irgendwo einkaufen zu gehen, schwere Kästen mit Wasserflaschen zu kaufen, obwohl das Ganze ja eigentlich schon direkt in der Wohnung verfügbar war. Aus ökologischen wie auch ökonomischen Gründen erschien es mir nicht sinnvoll. So spare ich mir nun schon seit einigen Jahren Schlepperei und vermisse nichts. Im Gegenteil sogar. die ganzen Süssgetränke, wenn ich sie doch mal probiere, weil ich denke „ach komm, geht schon mal ausnahmsweise„, schmecken gar nicht mehr, sind mir viel zu süss.

Auch wenn ich unterwegs bin, also in Cafés, Restaurants etc., trinke ich fast immer Wasser oder Tee, ab und an mal Saft oder Ginger Ale und hin und wieder auch mal eine Coke (wirklich sehr selten). Letzteres versuche ich aber immer mehr zu unterbinden, mich diesbezüglich selbst zu disziplinieren. Es klappt auch meist ganz gut.

Fleisch oder nicht Fleisch?

Seit meiner Lehre habe ich im Bekannten- und Freundeskreis Menschen, die sich mit Themen wie Straight Edge, vegetarischer und/oder veganer Ernährung befassen. Ich selbst rauche nicht, trinke prinzipiell keinen Alkohol und nehme auch keine anderweitigen Drogen, wenn man Zucker im Allgemeinen und Schokolade im Besonderen mal aussen vor lässt. Aber ich esse Fleisch. Gern sogar. Ich mag einen guten Braten, Thüringer Roster, ein gutes Steak oder einen saftigen Burger. Auch Fisch mag ich.

Im normalen Alltag finden die aufgeführten Sachen eher unregelmässig statt. Also Braten etc. gibt es nicht regelmässig, aber wenn schmeckt es mir. Im Alltag findet eher das Thema Aufschnitt/Wurst statt. Im Normalfall esse ich zum Abendbrot 4 Scheiben Brot und diese mit Wurst (1 davon meist mit Käse). Für mich war dies normal, es schmeckte mir. 

Natürlich machte ich Gedanken über die ethischen Aspekte, die Folgen von Massentierhaltung etc. Aber wirklich verändert habe ich nicht sehr viel. Es war doch irgendwie mühsam, was wären die Alternativen? Seltener Braten oder Steak, versuchen Fleisch zu kaufen, was aus der Region kommt, ja. Sowas eben, was man halt so macht. Aber auf Fleisch verzichten? Was packe ich mir denn dann abends aufs Brot?

So dachte ich bis vor ca. 6 Monaten. Meine Frau brachte vom Einkauf einen Aufstrich für sich mit, den ich probierte und er mir schmeckte. Tomate-Basilikum. Also waren von 3 Scheiben mit Wurst nun nur noch 2 mit Wurst. Beim nächsten Einkauf entdeckte ich neben dem Tomate-Basilikum Aufstrich auch noch einen Linse-Curry und einen Apfel-Meerrettich. Ich packte die beiden ein um sie zu probieren. Sie schmeckten. Seither esse ich keinen Aufschnitt/Wurst mehr zum Abendbrot.

Also ähnlich wie beim Umstieg auf Wasser, ging es auch hier recht kurzfristig und ohne darüber grossartig lange nachzudenken. Vermisse ich Wurst? Eher nein. Natürlich weiss ich wie ein guter Kochschinken schmeckt, Leberkäse, Salami etc. Aber die Aufstriche und Käse oder auch die Ergänzung durch Gemüse wie Radieschen, Möhren etc. reichen mir aus. Ist Fleisch komplett aus meiner Ernährung verschwunden? Nein. Ich versuche mich selbst dahingehend zu disziplinieren, in der Woche kein Fleisch zu essen. Auch am Wochenende achte ich etwas mehr darauf. Hier kochen wir aber öfter und so komplett auf Fleisch verzichten kann (vielmehr möchte) ich derzeit noch nicht. Aber im Hinblick auf „früher“, ist mein Wurst/Fleischkonsum nun erheblich zurückgegangen.

Ich habe auch verschiedene Alternativen versucht und verschiedene Dinge in entsprechenden Fachgeschäften gekauft (Tofuwiener, verschiedene andere Aufstriche mit Tofu etc.), aber das hat mir bisher nicht wirklich geschmeckt. Ich glaube jedoch, dass dies auch ein Stück weit etwas mit Gewohnheit zu tun hat. Mein Geschmacksinn sagt sich eben: das sieht aus wie eine Wiener, aber schmeckt nicht so, lass mal lieber. Vermutlich gibt es auch hier verschiedene andere Produkte, die ich für mich erst noch entdecken und ihnen eine Chance geben muss.

Es wird auch Ausnahmen geben, wenn ich z.B. unterwegs bin, wie demnächst bei der re:publica in Berlin oder anderweitigen Veranstaltungen. Ich bin beim Essen recht eigen. Mag keinen Paprika, hasse alles was mit Zwiebel zu tun hat etc. Daher vertraue ich in Restaurants nicht so gern auf mir unbekanntes Essen. Ja, man kann bei der Bestellung sagen: ich möchte x und y bitte nicht am Esse haben. Ich erlebe es jedoch nicht selten, dass es dann dennoch dran ist und dann mehr Zeit mit heraussuchen der ungewünschten Zutat zu verbringen als mit dem Essen selbst, ist auch nicht so dolle. Zudem mag ich – wie oben beschrieben – Fleisch an sich. Und wenn ich mal in der Woche einen Burger oder ein Schnitzel esse, dann ist dies vielleicht nicht 100% konsequent, für mich in dem Falle aber ok.

Wirklich konsequent ist mein „Werktagsvegetarismus“ ja sowieso nicht. Ich finde es aber einen nicht irrelavanten ersten Schritt bezogen auf die ökologischen (aber auch ökonomischen) Aspekte von Fleischkonsum. 

Es gibt noch so viele andere Dinge die man beachten kann, ja vielleicht auch beachten muss. Dies ist mir bewusst. „Mit dem bisschen rettest Du nicht die Welt“ kann man mir zurufen. Und es stimmt. Aber ich tue mir selbst etwas Gutes damit und es ist – aus meiner Sicht – ein Schritt. Ein kleiner, unbedeutender vielleicht. Aber es ist ein Schritt.

P.S.: Die Aufstriche gibt es im Übrigen bei Rewe. Es gibt auch noch Paprika-Cashew und irgendetwas mit Zwiebel. Diese beiden habe ich nicht probiert und aus oben erwähnten Gründen habe ich dies auch nicht vor. Die 3 anderen kann ich jedoch empfehlen, zumindest für meinen Geschmack. Speziell Apfel-Meerrettich ist suuuuper lecker. Ich habe ähnliche Aufstriche auch schon im Kaufland oder anderen Supermärkten gesehen. Leider meist recht gut „versteckt“, aber es gibt sie.

P.P.S.: Kann mir vielleicht jemand erklären, warum diese Aufstriche „nur“ als vegetarisch deklariert werden? Habe mir die Zutaten angeschaut und nichts gefunden, was tierische Produkte enthält, zumindest meinem Wissen nach nicht. Dennoch steht „vegetarischer Aufstrich“ auf dem Glas. Es ist jetzt evtl. etwas kleinlich, aber eigentlich möchte ich es nur verstehen. :)

Noch etwas zum Abschluss: mit dem Verzicht auf Wurst/Aufschnitt ist auch der Müllanteil reduziert. Aufschnitt ist meist in Plastik verpackt, dieser Anteil Müll entsteht bei mir somit nun gar nicht mehr. Ein weiterer Aspekt, der mir an dieser Umstellung gefällt. Die Aufstriche sind in kleinen Glasgläsern. So ein Glas hält bei mir ca. 1-1,5 Woche(n).

[Update]Nachstehend mal Bilder der Zutatenliste.[/]

Meerrettich-Apfel Aufstrich Zutaten

Linse-Curry Aufstrich Zutaten

Tomate-Basilikum Aufstrich Zutaten


Bild: pixabay (HolgersFotografie)

Steve Rueckwardt

Veröffentlicht von

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9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mit den Getränken hab ich eine ähnliche Karriere. Mir ist inzwischen auch alles zu süß. Wenn ich kein Wasser oder Tee trinke, dann alkoholfreies Bier. Softdrinks nur selten.
    Fleisch esse ich eigentlich nur, wenn ich mal im Restaurant bin. Brot esse ich nur wenig und daher auch recht wenig Wurst und Käse. Das kaufe ich fast ausschließlich bio oder allenfalls noch beim örtlichen Metzger.
    Wenn ich es recht bedenke, ernähre ich mich hauptsächlich von Nudeln, Gemüse, Kartoffeln und Sushi. Und Burger. Da bin ich leider inkonsequent, was den Tierschutz angeht.

  2. Was steht denn drin in den Zutatenlisten?

    Für noch mehr leckere Aufstriche kann ich den Gang ins Reformhaus empfehlen. Bio-Märkte haben die auch haufenweise im Angebot.

    • Steve Rueckwardt

      Hallo Micha,

      habe eben mal Bilder der Zutatenliste ergänzt. :)

      Ja, wie ich schrieb, es gibt sicherlich noch vieles, was ich da für mich entdecken kann. :) Danke für die Hinweise.

  3. Eine mögliche Erklärung, warum sie „nur“ als vegetarisch, aber nicht als vegan deklariert werden:

    Die Aufstriche enthalten alle Apfel- und/oder Zitronensaftkonzentrat. Säfte (und deren Konzentrate) werden häufig durch Eiweiße oder Gelantine geklärt. (Hier z.B. Thema http://derlernendeveganer.blogspot.de/2012/12/absolut-vegane-aufstriche-bei-aldi-sud.html)
    Wenn der Hersteller nicht eindeutig sagen kann, ob das der Fall ist, ist also die Deklarierung als vegetarischer Aufstrich vollkommen in Ordnung. Wer es genau wissen will, kommt wohl nicht umhin genau anzufragen.

    Ansonsten: Guter Text, gute Einstellung! :)

  4. Die Aufstriche von Leibspeis oder Zwergenwiese sind auch empfehlenswert.

    Ich hätte noch ein schönes Rezept für einen Aufstrich, der geschmacklich an Leberwurst erinnert (aber keinerlei Tofu o.ä. drin hat), ist aber mit Zwiebeln.

    • Steve Rueckwardt

      Danke Werner für die Tipps.

      Wegen den Zwiebeln: wie Du den Zutaen der drei erwähnten Aufstriche entnehmen kannst, sind bei zwei davon auch Zwiebeln enthalten. Aber ich sehe sie nicht und ich schmecke sie nicht. Also sind sie auch nicht da. ;)

  5. Hi Steve, ich glaube diesen Peozess der Ernährungsumstellung bzw der Einstellung durchlaufen in einem gewissen Alter viele. Gerade auch bei den Getränken ist es viel zu beobachten. Aber auch der Trend „Back to the Sonntagsbraten“ scheint ein ähnlich großes Phänomen wie die Welle der Vegetarier und Veganer zu sein.

    Das Bewusstsein generell zu Lebensmitteln scheint stärker ausgeprägt zu sein, als noch vor 20 Jahren. Finde ich gut und bin da sich mit Begeisterung dabei.

    Ich verzichte so gut es geht auf Industriefood, klappt aber auch nur zu 90%. Alles kann ich nun mal nicht selber herstellen zu Hause

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