Krautreporter – Interessantes Projekt mit Optimierungsbedarf

Crowdfunding ist derzeit ein recht aktives Thema. In den unterschiedlichsten Bereichen gibt es Projekte, welche man unterstützen soll. Ich persönlich mag diese Art der Finanzierung und habe auch bereits einige Projekte auf diesem Wege gefördert.

Krautreporter

Seit gestern ist nun ein weiteres Projekt am Start: Krautreporter – Das Magazin. Die Plattform, welche bisher zur Finanzierung von journalistischen Projekten diente, will nun vorrangig ein journalistisches Magazin werden. 28 Menschen machen sich auf, ein journalistisches Projekt zu starten, alleinig finanziert durch die Nutzer. Es soll keine Werbung geben, keine Sponsoren. Man möchte sich alleinig vom Leser abhängig machen.

Startschwierigkeiten

Kurz nach dem Start war die Seite dem Ansturm nicht mehr gewachsen und die Server streikten. Ok, offenbar hatte man nicht mit einem derartigen Interesse gerechnet. Sowas passiert „in den besten Familien“, auch wenn man es sicherlich hätte erahnen können.

Geärgert habe ich mich über die mangelnde Kommunikation. Ich habe z.B. alle Schritte durchlaufen können und am Ende auf „kostenpflichtig bestellen“ geklickt. Dann bekam ich das nachstehende Bild zu sehen.

Krautreporter Zahlungsfehler

Hm, ist meine Zahlung nun angekommen? Soll ich es nochmal durchlaufen oder zahle ich dann doppelt? Es ging mir nicht allein so. Einige Tweets zu diesem Thema erreichen den Twitter Account der Krautreporter. Um 09:46 Uhr twitterte man, dass die Server überlastet seien. Um 11:55 Uhr dann der erste Reply auf einen Tweet, 13:33 Uhr dann der zweite Reply auf einen anderen Tweet. Kurz nach 14 Uhr dann noch die Replys auf zwei Anfragen von Journalisten. Keinerlei Statement, was denn nun bzgl. der Unklarheit ist, ob Zahlungen nun angekommen sind oder nicht

Vielleicht sehe ich es zu kleinlich, aber von einer Plattform, die antritt, um von den Lesern finanzierten Journalismus zu liefern, erwartete ich etwas mehr in Sachen Kommunikation mit denen, die Unterstützung liefern möchten. Gar nicht mal einen direkten Reply, ein allgemeiner Tweet zum Thema im Sinne von: „Wir haben Eure Tweets gelesen und sind gerade dabei das Thema zu klären“ wäre hier schon hilfreich gewesen. Aber so gar nichts? Um 15:20 Uhr der erste Reply zu diesem Thema (auf meinen Tweet bisher nix, konnte es dann aber anderweitig klären) Wer sich nur von der Community abhängig machen möchte, sollte mehr auf Dialog mit selbiger achten.

Frauenanteil!

Ein weiterer Kritikpunkt, den man bei Twitter ausmachen konnte: der Anteil der Frauen im Team ist doch relativ gering. Ich gebe zu, darauf habe ich in erster Linie nicht geachtet. Ein Verhältnis 22:6 ist ohne Frage nichts, womit man plakativ werben kann. Warum ist das so? Hat man dieses Thema im Zuge der Planung bedacht? Hat man nicht mehr Journalistinnen gefunden? Wollten diese nicht mitmachen? Die Kritik war auf Twitter sehr stark vertreten, in Blogartikeln wie von Wolfgang oder Felix wird es thematisiert. Bisher keinerlei Statement dazu. Die ersten Reaktionen auf das Projekt hat man im Blog kurz erfasst, zu dem Thema des Frauenanteils jedoch keinerlei Bezug.

Was wird es bei Krautreporter geben?

Was erwartet nun aber den geschätzten Unterstützer bei „Krautreporter – Das Magazin„? Auf der Webseite gibt es nicht wirklich viel dazu zu lesen. Natürlich möchte man als Unterstützer wissen, was genau man da unterstützt. Wird es nur Text, oder gibt es auch Video und/oder Audioanteil? Ich persönlich stellte mir diese Frage nicht, da ich anhand der Teammitglieder davon ausging, dass auch Video ein nicht unerheblicher Anteil sein wird. Zudem glaube ich, dass die Macher sich durchaus dem „Zeitgeist“ bewusst sind und diese Dinge berücksichtigen.

Tim Pritlove äusserte sich dazu auf Twitter und bekam dann auch nach 10 Minuten (!) eine Antwort:

Krautreporter Themen

So hatte ich mir das gedacht. Dennoch: natürlich kann und sollte man dies auch auf der Seite darstellen. Immerhin geht es ja um die Leser, wie man betont. Diesen sollte man schon erklären, was sie für Ihr Geld bekommen. Immerhin benötigt man 15.000 Unterstützer, um das Ziel zu erreichen. Also auch hier: Optimierungsbedarf in der Kommunikation.

Transparenz

Wer hat alles unterstützt? Gerade wenn man antritt, um unabhängigen Journalismus zu machen, sollte eine Transparenz hinsichtlich der Unterstützer einer der wichtigsten Punkte sein. Nur sind die Unterstützer nur bedingt einsehbar. Es werden immer nur die letzten 60 Unterstützer angezeigt. Da wünsche ich mir einen separaten Tab, auf dem es eine Übersicht aller Unterstützer gibt, wie es bei der bisherigen Krautreporterplattform der Fall war.

Unterstützer oder Summe? Was davon ist primär wichtig? Der Fortschrittsbalken geht nur von Unterstützern aus. Klar, der Grossteil der Förderer gibt die 60 EUR, die als Jahresabo aufgerufen wurden. Aber es gab auch etliche, die mehr als 60 EUR in den Topf geworfen haben. Ein Screenshot mit einer Summe von 10.000 EUR als Einzelförderung machte gestern z.B. schon die Runde. Andere zahlten 100 EUR oder 500 EUR. Somit käme die angepeilte Summe von 900.000 EUR ja deutlich schneller zusammen. Auch hierzu lässt sich nicht wirklich etwas auf den Seiten in Erfahrung bringen.

Noch ein paar Kleinigkeiten

Ich war bisher bereits bei Krautreporter angemeldet, da ich schon zwei Projekte dort mit unterstützt hatte. Man schrieb zwar via Rundmail, dass man auf eine neue (technische) Plattform gewechselt hat und daher die bestehenden LogIn Daten nicht mehr funktional seien, wirklich plausibel ist mir dieser Schritt jedoch nicht. Auch etwas unschön finde ich, dass man die bestehende Seite komplett ins Nirvana geschickt hat. Ich kann nicht mehr meine unterstützten Projekte einsehen und eines davon lief erst vor wenigen Tagen aus. Die Macher dieses Projektes sind nun auf E-Mail Kommunikation umgestiegen.

Es gibt ein Blog, auf dem man weitere Infos findet, nur ist dieses recht gut versteckt bzw. auf der Seite nicht wirklich markant ersichtlich. Auch bin ich etwas verwundert, warum man hierbei auf Tumblr setzt. Kann man das selbst hosten? Ich glaube nein. Aber vielleicht ist dies auch nur übergangsweise? Vermutlich ist dies auch nur aufgrund meiner persönlichen Präferenzen bzgl. selbstgehosteten Projekten etwas suboptimal.

Unterstützen – Ja oder Nein?

Soll man die Krautreporter nun unterstützen? Dies muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden. Wie oben aufgeführt, so gibt es hier und da durchaus noch Optimierungs- bzw. Klärungsbedarf. Dennoch habe ich das Projekt unterstützt. Warum?

Weil ich es trotzt der obigen Punkte interessant finde. Weil ich daran glaube, dass es sich entwickeln kann, die aufgeführten Aspekte verbessert werden können, ich neuen Ideen durchaus aufgeschlossen gegenüberstehe und ich schlicht sehen möchte, was man daraus machen kann. Kai hat dies mit seinem Artikeltitel „Mehr Mut zur Lücke“ recht treffend formuliert.

[Update 15:14 Uhr] Die Krautreporter antworten auf einige der offenen Fragen/die Kritik.


Steve Rueckwardt

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