Raus aus der Filterbubble – mehr hin zum „Volk“

Wenige Tage ist sie her, die re:publica 2013. Gesundheitlich angeschlagen habe ich in diesem Jahr leider nicht teilnehmen können. Und das war ziemlich hart, die Tweets zu lesen und zu wissen, wie toll das ist aber es nicht live miterleben zu können. Anyway…

Das grossartige Team der rp13 hat die mitgeschnittenen Sessions und Panels sehr zeitnah online verfügbar gemacht, so dass ich zumindest davon ein Stück partizipieren konnte. Vielen Dank dafür. Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Nachschauen und erst recht nicht mit dem Nachlesen der rückblickenden Berichte der Teilnehmer.

Einen hatte ich eben gelesen. Von der von mir sehr geschätzten Lena (@_miel). Er fing sehr flauschig an, es hat ihr gefallen. Wunderbar. Und sie hat auch eine sehr schöne Grafik in ihren Blogpost gepackt. Passend, wie ich finde. Aber dann, ja dann kam ein sehr interessanter Teil, der nicht mehr ganz so flauschig war. Ein kleiner Rant über die Filterbubble, das Versagen, unser Versagen. Das Versagen die Themen, die uns so wichtig sind, unters Volk zu bringen. In die Realität, wie Lena es beschreibt.

Und? Ja nix und. Sie hat Recht. Als ich an Tag 2 begann die ersten Videos der Sessions zu schauen, gingen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf. Tolle Themen, wichtige Themen. Liest man ja auch ständig, dachte ich mir. Hört man auch immer wieder, dachte ich mir. Also alles gut? Ne, eher nicht. Denn wo höre und lese ich es? Genau, in meiner eigenen Filterbubble. Auf Twitter, in Blogs, also da, wo die Menschen also eine ähnliche Affinität zu diesem (#) haben wie ich. Ist das gut? Ja klar ist das gut, nur reicht es auch? Am Ende schwappt eben wenig davon über den berühmten Tellerrand. Dahin, wie der „Normalbürger“ ist. Und selbst dann, wenn sich mal einer dieser „Normalbürger“ auf einen unserer Blogs verirrt (oder sich von Google verleiten lässt), dann versteht er vielleicht gar nicht so recht, was das denn alles soll.

Netzneutralität? Hä? 75GB und dann wir gedrosselt? Ach, so viel verbrauche ich doch eh nicht mit meinen paar Seiten und E-Mails im Monat. Leistungsschutzrecht? Das betrifft mich ja überhaupt nicht. So oder so ähnlich denken viele Menschen, die sich nicht so selbstverständlich in unserer Szene bewegen. Menschen, die eben nicht so intensiv und selbstverständlich die Faszination Internet leben.

Lösungsansätze?

Wie Lena weiss auch ich nicht genau, wie wir auch diesem kleinen, von uns bewohnten „Dorf“ in die grosse weite Stadt oder sogar Welt hinaus kommen. Fakt ist aber, dass nur wir selbst es schaffen können. Darauf zu warten, dass von Aussen Hilfe herbei eilt wird eher nix. Die Frage die sich auch stellt: wollen „wir“ das denn? Wollen wir diese Themen breiter in der Gesellschaft verankern?

Wenn ja, dann glaube ich, gibt es 2 Aspekte, an welchen wir sehr stark arbeiten sollten:

1) Schluss mit den ewigen Grabenkämpfen und dem Neidgehabe. Der verdient ja Geld mit seinem Blog, der ist nicht kredibil genug. Der ist zu gross, hat zu viele Leser, da brauch ich nicht verlinken. All das ist vollkommener Quatsch. Wenn es Infos auf anderen Blog gibt, verlinken! Egal wie gross oder klein der Blogger ist, egal ob er (auch) Geld mit dem Blog verdient. Alles unwichtig. So lange jeder nur in seiner eigenen Pfütze spielt, wird es nix mit dem grossen breiten Fluss, der eine entsprechende Kraft entwickelt. Wem das mit ein bisschen logischem Nachdenken noch nicht klar wird, der sollte sich vielleicht mal die YouTuber anschauen. Die haben es zu weiten Teilen nämlich verstanden sich untereinander gut zu vernetzen. Da unterstützen auch grosse, bekannte und erfolgreiche Kanäle kleinere. Machen Videos und Aktionen zusammen. Das sogar teilweise, wenn die Kanäle das gleiche Thema haben.

2) Ich denke auch, dass wir versuchen sollten, die Art der Sprache, welche wir in unseren Blogposts benutzten, zu ändern. Was meine ich damit konkret? Klar, jeder hat einen anderen Schreibstil, das ist auch ok und macht das Ganze ja erst recht interessant. Aber ich glaube, wir verwenden zu viele „Szene-Begriffe“ mit denen der „Normalbürger“ eher wenig anfangen kann. Solange dies so ist, werden unsere Texte eben auch nur die Leute verstehen, die bereits in der Szene drin sind. Die Mühe, die Bedeutungen zu recherchieren, machen sich wohl eher die wenigsten Menschen.

In diesem Post habe ich bis hierhin ca. 15 Wörter und Themen benutzt, mit denen andere Menschen vielleicht nicht so viel anfangen können. Manches habe ich bewusst so benutzt (das (#) zum Beispiel) anderes, weil es für mich eigtl. als allgemein verständlich gilt. Aber davon kann ich eben einfach nicht ausgehen. All diese Wörter oder Themen habe ich entsprechend mit Erklärenden Wikipedia– oder Blogartikeln verlinkt. Das macht es dem nicht ganz so affinen Leser vielleicht einfach ein Stück weit einfacher Verständnis für den Inhalt zu entwickeln. Ich werde dies bei neuen Artikeln nun noch stärker und bewusster tun als bisher. Auch werde ich versuchen, manche Dinge vielleicht mehr zu umschreiben, zu erläutern, es eben einfach für externe verständlicher zu machen. Das wir nicht immer funktionieren, es wird auch viel Lernprozess bzw. Übungssache sein.

Ich denke aber, dass es wichtig ist, beim Schreiben darüber nachzudenken, für wen man schreibt. Wollen wir nur für uns schreiben, dann ist alles gut. Wollen wir aber mehr Menschen erreichen und wollen wir, dass diese Menschen auch verstehen um was es uns geht, bedarf es der Veränderung. Der Leser muss natürlich auch etwas tun, mehr Interesse entwickeln, Bereitschaft zum Verständnis, Bereitschaft auch selbst aktiv zu werden und nicht nur darauf warten, dass andere etwas tun. Aber das können wir, die ins Internet schreiben, die Themen vermitteln wollen, nur bedingt beeinflussen. Was wir tun können, ist an uns selbst zu arbeiten und es dem Leser leichter zu machen.


Steve Rueckwardt

Veröffentlicht von

steve-r.de

I'm Steve and you are on my blog steve-r.de and I'm the author of this article. More about me you will find on the about me page, on Google+ or on my XING-Profile. You can also follow me on Twitter @SteveRueck and Instagram.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich verstehe was Du meinst – ich sehe mich oft als einer dieser „Normalbürger“ (schon diese Wortwahl regt mich auf ;) ) und mich hat allein das Getwittere über die rp13 und wie „toll“ ihr alle seid echt genervt – so kommt das oft bei mir an – wir sind alle toll in unsere SocialMediaKommunikationsWelt und ihr alle anderen da draußen habt keine Ahnung von unserer Superwelt. Also ich denke oft – wie Du selbst schon schreibst „Wollen wir das denn?“ Also wollt ihr das eigentlich? Es freut mich, daß es zumindest Leute gibt – die darüber nachdenken und das aufschreiben :) Und mal ehrlich wie erklärt man jemanden der überhaupt keine Ahnung hat was die rp13 ist, was sie bezweckt und ob man da was lernt und was nimmt man da mit (das frage ich mich auch)? Aus der Grafik entnehme ich genau das, was ich auch auf Twitter lese – Essen, Bier trinken, Party und Freunde treffen… Sorry für soviel Ehrlichkeit am Abend :)

    • Steve Rueckwardt

      Liebe Anne,

      alles kann man nicht erklären. Die re:publica nur ganz schwer. Sie selbst zu erleben ist hier das Beste, was ich empfehlen kann. :) Das Live-Treffen von Personen, die man sonst den Rest des Jahres nur digital an seiner Seite hat, dies ist sicherlich einer der wichtigsten und schönsten Gründe, die re:publica zu besuchen. Ja, auch die Parties rund um die re:publica sind schön und wichtig. Aber das ist eben noch nicht alles. Das Programm kann sich mAn auch sehen lassen. Es sind vielfältige Themen, welche zu grossen Teilen auch eine hohe Relevanz haben, wenngleich dies eben die breite Masse der Gesellschaft so (noch) nicht auf dem Schirm hat. Schau Dir einfach mal ein paar der Sessions auf YouTube an.

      Das alles zusammen findet sich nicht so häufig. Aber wie beschrieben: das zu erklären ist schwierig.

      Allgemein: ja, ich möchte schon, dass Themen auch ausserhalb der „Filterbubble“ angekommen und die breite Masse erreichen. Warum? Weil ich glaube, dass die bereits heute recht hohe gesellschaftliche Relevanz dieses Internets weiter wachsen wird. Die Frage ist, in welche Richtig sich das entwickelt. Ich finde es wichtig, so viele Mensche wie möglich mit diesen Themen zu behelligen und somit ein Interesse für einen Bereich zu wecken, welcher uns letztlich (früher oder später) alle betreffen wird.

  2. Nein, auch ich war nicht auf der re:publica 13 (#rp13) und muss Dir, lieber Steve einerseits beipflichten. Andererseits widersprechen.

    Wir haben uns jetzt schon einige Male über das Bloggen real unterhalten und genau das erscheint mir der Schlüssel, hier jetzt an dieser Stelle zu kommentieren. Denn die letzte Unterhaltung ist erst einige Tage her und das gegenseitige Verständnis in der Sache wurde erneuert. Als fühle ich mich angeregt, hier etwas beizutragen. Oft habe ich hier und anderswo gelesen und gedacht, obwohl ich etwas zu sagen gehabt hätte, zieh mal weiter und suche nicht das Gespräch.

    Also die von Dir angesprochene Coopetition (Kooperation unter Wettbewerbsbedingungen) unter Bloggern unterstütze ich voll. Gern verlinke ich auf gute Texte, wenn sie thematisch in der Nähe meines Schwerpunkts liegen. Der Link ist die kleinste Kooperation der Welt.

    Ein Gedanke zur Exegese, die Du für Dein Blog planst, muss ich anmelden, dass ich genau den anderen Weg gehe. Seit 10 Jahre übersetze ich der Gesundheitsbranche Begrifflichkeiten, so dass zuletzt jemand sagte, ich habe mir eine so schöne, bereinigte Ausdrucksweise erhalten, nur um mich im gleichen Atemzug als Nerd zu bezeichnen. Die umständliche Übersetzung von Szenebegriffen kostet Kraft, deshalb gibt es diese Begriffe ja. Sie stehen weniger für den Ersatz als viel häufiger für die Umschreibung einer kleinen Philosophie. (#) heißt eben nicht nur Internet, sondern auch die Welt mit einem Netz, was sich grafisch sehr gut ausdrückt.

    Ich für meinen Teil habe vor einigen Tagen gebloggt: „Der beste Grund als Leser meines Blogs mit mir in Kontakt zu treten ist: Man weiß, man wird angesprochen, versteht aber nichts von alledem hier.

    Ich kann meine Leser, dazu zähle ich alle am Gesundheitsgeschehen Beteiligten nicht vor den Veränderungen schützen. Veränderung heißt auch, sich einzulassen und Risiken einzugehen. Also nicht jede Veränderung muss nicht immer Sinn machen. Ich erinnere mich an das MACHEN! von @saschalobo. Das war Wasser auf meine Mühlen. Deshalb lasst uns MACHEN!

    Diversität war und bleibt ein Motor für Kreativität.

    • Steve Rueckwardt

      Die Frage, welche sich jeder Schreiber stellen sollte: für wen (!) schreibe ich. Wenn Du Deine Texte für ein Fachpublikum schreibst, dann macht die Nutzung von Fachthermina Sinn und das, was Du vermitteln möchtest wird sicherlich auch mehrheitlich verstanden.

      Will man jedoch die Themen breiter aufstellen, möchte man sie in die Gesellschaft transportieren, dann braucht es mAn eine Veränderung, was ich ja im Artikel auch begründe. Natürlich kann man nicht alles immer erklären oder umschreiben. In solchen Fällen kann man aber die Szene-Begriffe verlinken, so dass sich der Leser schnell und einfach darüber informieren kann. Wenn ich einen Text lese, von dem ich nur die Hälfte verstehe, hake ich das alles als „betrifft mich eher nicht“ ab. Und genau da liegt aus meiner Sicht eines der Probleme. Wie soll denn die breite Masse (und wir „Internetpeople“ sind dies noch längst nicht) Dinge wie das Leistungsschutzrecht, Netzneutralität oder ACTA verstehen, wenn wir es nicht allgemein verständlich erläutern?

      Natürlich kann ich mich als Experte positionieren und hoffen, dass die, welche es nicht verstehen bei mir nachfragen. Aber wieviele tun das? Kaum jemand. Daher glaube ich nicht, dass dies eine Lösung oder überhaupt das Ziel sein sollte. Zumindest nicht, wenn es darum geht, gesellschaftlich relevante Themen eben auch genau dort zu platzieren: in der Gesellschaft.

  3. Pingback: Karneval der Kulturen 2013 | Social-HBTC

Schreibe einen Kommentar