Das neue Facebook – Evolution eines Netzwerkes und der Sturm der Entrüstung

Am gestrigen Tag stellte Mark Zuckerberg auf der f8-Konferenz das neue Facebook vor. Und die Bezeichnung „das neue Facebook“ ist hierbei nicht untertrieben.

Die Profilseite wird sich komplett verändern. Das fängt schon beim Name an. Die offizielle Bezeichnung von Facebook lautet Timeline, denn es soll auch selbige sein. Man soll hier zukünftig chronologisch aufbereitet alles finden, was man gepostet und getan hat. Denn neben selbst kreierten Statusupdates nehmen Apps zukünftig eine wichtige Rolle im Plan von Facebook ein. So sollen z.B. der Musikdienst Spotify oder der Filmdienst Netfix mehr oder minder automatisch berichten, welche Musik man gerade hört oder welchen Film man sich gerade anschaut.

Alle Neuerungen nun im Details zu beleuchten erspare ich mir an dieser Stelle, da dies andere bereits getan haben. So findet man auf allfacebook.de einen Überblick über alle Artikel und Neuerungen, welche gestern auf Facebooks f8 vorgestellt wurden.

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Nicht jedem gefällt alles, dies ist auch vollkommen ok. Ich persönlich finde die Idee und auch die Optik wirklich sehr gelungen. Es ist nicht mehr so ein starres eher lebloses Profil sondern es gewinnt mAn ein Stück weit an Leben.

Auffällig war auch, dass man offenbar einen noch stärkeren Fokus auf Bilder legen wird, da diese zumindest in der Vorstellung der neuen Timeline eine recht tragende Rolle eingenommen haben. Ein Punkt, der nicht ungewöhnlich ist, drücken Bilder doch mehr als ein geschriebener Text Emotionen aus und übermitteln einfach und ohne viel Aufwand den jeweils festgehaltenen Moment. Meine Timeline wird dann wohl etwas kühler aussehen, da ich bei Facebook nur sehr selten bis gar nicht Bilder hochlade. Warum? Facebook schreibt in seinem Nutzungsbedinungen unter Punkt 2 Absatz 1:

Für Inhalte wie Fotos und Videos („IP-Inhalte“), die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, erteilst du uns durch deine Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löschst, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht.

Für Nutzer aus Deutschland gelten jedoch etwas abgewandelte Bestimmung, welche sich in Punkt 1 der Änderungen für Nutzer mit Wohnsitz in Deutschland wiederfinden:

Ziffer 2 gilt mit der Maßgabe, dass unsere Nutzung dieser Inhalte auf die Verwendung auf oder in Verbindung mit Facebook beschränkt ist

Dem einen ist es egal, dem anderen wieder nicht. Kann auch jeder halten wie er/sie möchte. Ich habe für mich entschieden, dass ich meine Bilder eben nicht auf Facebook hochlade bzw. eben nur sehr eingeschränkt.

Auch die geplante Integration der Apps ist durchaus spannend und ich kann mir im ein oder anderen Fall interessante Nutzungsmöglichkeiten vorstellen. Was ich etwas kritisch sehe ist, dass Apps wohl nahezu eigenständig die Infos in die Timeline pushen sollen. So klang es zumindest in der Ansprache von Mark Zuckerberg. Das bleibt aber abzuwarten, wenn es denn dann alles umgesetzt und aktiv ist.

Was auf jeden Fall kommen wird ist ein „Sturm der Entrüstung“, wie denn Facebook so dreist sein könne, nun auf einmal die Optik und auch Funktionalitäten zu ändern. Auch werden einige Leute mehr oder minder öffentlichkeitswirksam das Ende ihrer Mitgliedschaft verkünden.

Ist das legitim? Ja! Jeder kann schliesslich frei seine Meinung äussern wenn ihm/ihr etwas nicht gefällt und auch selbst entscheiden, einen Dienst nicht mehr zu nutzen.

Wird es etwas ändern? Nein! Vielleicht bessert Facebook an der ein oder anderen Stelle etwas nach, aber die Grundidee wird sicherlich so realisert und auch so bleiben. Warum? Weil die grosse Masse der nun wohl rund 800 Millionen Nutzer sich schlicht und einfach daran gewöhnen wird.

Genau das ist auch der Punkt: Veränderungen führen meist zu einer Verunsicherung, da gewohnte Nutzungsmuster eben nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Ich glaube jedoch, dass es nur wenige Wochen (wenn überhaupt) dauern wird, bis sich der Grossteil an die neue „Umgebung“ und deren Nutzung gewöhnt hat.

Abschliessend sei zum Thema Entrüstung noch gesagt: ja, einige Punkte des Facebook-Konzeptes finde ich etwas bedenklich im Hinblick darauf, dass immer mehr und immer genauere Daten von den Nutzern erlangt und gespeichert werden. Ziel ist wohl primär die noch gezieltere Vermarktung von Werbung. Aber: jeder Nutzer hat es selbst in der Hand, wie er die angebotenen Funktionen und Dienste nutzt.

Es gibt z.B. für iOS und Android eine Facebook-App, welche ich bis vor wenigen Wochen auch genutzt habe. Dann gab es jedoch ein Update, welches der App das Recht einräumte meine SMS auf dem Gerät zu lesen. Von übertragen stand da zwar nichts, aber ich gehe dennoch davon aus, dass die SMS auch an Facebook gesendet werden bzw. gefällt mir der Gedanke, dass sie übertragen werden könnten einfach nicht. Daher nutze ich seidem nur noch die mobile Webseite und habe die App deinstalliert. Das ist nicht so bequem und einfach wie über die App, aber für mich ausreichend. Wer mehr Konfort möchte muss eben für sich entscheiden, ob und zu welchem Preis er diesen Komfort haben annimmt.

Also nicht meckern, sondern sich einfach einmal etwas eingehender mit den Möglichkeiten der Einstellungen des eigenen Facebook-Profils befassen. Nach der letzten Änderung sind die Privacy-Einstellungen nun recht einfach und schnell zu erreichen und auch mAn recht verständlich gehalten. Jeder von uns hat die freie Entscheidung was er postet, mit wem er es teilt oder ob er einen bestimmten Dienst überhaupt nutzt.

Wie seht Ihr die Neuerungen? Positiv gestimmt oder eher die Fraktion der Entrüstung?

Steve Rueckwardt

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Es ändert leider alles nichts daran, dass Facebook selbst unsere Daten einsehen und weiter reichen kann. Es hat die Staaten und Justizsysteme dieser Welt mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt und wenn sich Widerstand formiert erklärt ein Innenminister die Probleme für aus der Welt geschafft weil Facebook sich bereiterklärt etwas mehr auf zu passen. Das Ganze läuft bis jetzt über Selbstkontrolle. Wie gut sie funktioniert sieht man am Finanzmarkt.

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