Mit Blogs Geld verdienen? – Gönnen statt Neid!

Beim Streif durch die Tiefen dieses Internets bin ich heute auf ein Video gestossen, welches von der re:publica 2010 stammt. In diesem sprechen Don Dahlmann (@DonDahlmann), Robert Basic (@RobGreen), Remo Uherek (@RemoUherek) und Sascha Lobo (@SaschaLobo) unter der Moderation von Thomas Knüwer (@tknuewer) über das Thema „Mit Blogs Geld verdienen“.

Das ist ein Thema, was immer wieder mal debattiert und thematisiert wird. Die Gesprächsrunde ist nun ca. 2 Jahre her und bereits während dem Ansehen stellte ich mir die Frage: Was hat sich seither verändert und wo stehen wir heute? Aber hier ersteinmal das Video:

 

Mein Fazit nach dem Video: „wir“ sind keinen Schritt weiter als vor 2 Jahren. Zumindest ist dies meine Wahrnehmung. Noch vor wenigen Wochen beim BarCamp Nürnberg, war ich in einer Session wo es eben auch (wieder) um die Frage ging, wie man mit bloggen Geld verdienen kann.

Sollte bloggen bezahlt werden?

Die Frage ist, ob man mit Blogs Geld verdienen muss. Die Antwort ist mAn sehr einfach – nein, müssen tut man dies nicht. Wie so oft im Leben kommt es hierbei natürlich auch auf verschiedene Variablen des Blogs und des Bloggers an. Auch jeder Blogger hat hierzu eigene Vorstellungen und Ansprüche.

Macht man dies so nebenher, als mehr als Hobby, ist man da vielleicht nicht so darauf angewiesen, einen monetären Ansatz zu finden. Verbringt man damit jedoch relativ viel Zeit, ist es – schon allein aus Gründen der Existenzsicherung – nicht ganz unerheblich, mit seiner Arbeit auch etwas zu verdienen. Ja, richtig gelesen: Bloggen ist Arbeit. Dies klingt im ersten Moment vielleicht nach Anstrengung, so ist es aber nicht gemeint. Klar gibt es auch Anstregungen, letztlich macht es doch aber auch Spass und erfüllt die Person, die bloggt, mit Freunde. Aber es ist Arbeit und Arbeit darf – ja sollte sogar – im Durchschnitt mehr Spass machen als sie keinen Spass macht.

Egal wie man bloggt und was man bloggt – es benötigt Zeit und ich finde, dass diese Zeit auch vergütet werden darf. Dabei geht es nicht darum, jeden Artikel unter Monetarisierungsgesichtspunkten zu betrachten. Vielmehr wird meiner Meinung nach zu selten die Frage gestellt, welche Leistung man mit seinem Blog bzw. bestimmten Artikeln erbringt.

Schreibe ich einen Produktest oder einen Review auf eine Reise o.ä. ist dies letztlich ein Gewinn für den Hersteller/Veranstalter – unabhängig davon, ob der Artikel positiv oder eher negativ ausfällt. Aus der eventuellen Kritik kann das Unternehmen lernen. Ein positiver Artikel ist eine gute Werbung. Warum also nicht das Selbstbewusstsein haben und als Blogger auch für diese Arbeit und die aufgewandte Zeit einen finanziellen Ausgleich verlangen?

Dies führt mich direkt zu der nächsten Frage:

Darf man als Blogger Geld nehmen?

Dabei beschränkt sich die Grundlage dieser Frage nicht allein auf Geld sondern vielmehr auf jedwede Vorteile, welche man als Blogger im Zusammenhang mit dem Artikel erhält. Neben Geld kann dies die Übernachtung in einem Hotel sein, die Reisekosten zu einer Veranstaltung (Messe etc.) oder z.B. das Produkt, welches man testet und danach behalten darf.

Bedauerlicherweise ist es hierzulande jedoch so, dass so manch einer dem Gegenüber nicht mal die Butter auf dem Brot gönnt. Neid ist leider sehr verbreitet und allein die Vorstellung, jemand anderes könnte mehr haben als man selbst oder gar überhaupt etwas bekommen führt dazu, dass jegliche Aussagen in Frage gestellt werden und die Unterstellung einer gekauften Meinung nicht weit entfernt ist.

An dieser Stelle zitiere ich den Bloggerkollegen Kai Thrun (@KaiThrun) aus seinem Artikel „Ein offener Brief an alle Blogleser“ wie folgt:

als Autor dieses Blogs kann verstehen, dass Du sorge darum trägst, dass ich mich von einem Unternehmen einkaufen oder manipulieren lasse. Und als Blogger habe ich auch immer ein Auge darauf, dass genau dieses nicht passiert.Der Grund hierfür ist recht simpel: Mein »Trustrank« ist das höchste Gut, was ich wie ein Fabergé-Ei mit mir herumtrage. Blogger zahlen also in erster Linie mit der Glaubwürdigkeit, die sich an den Tag bringen. Eine Glaubwürdigkeit, die man sich im Laufe der Monate und Jahre aufgebaut hat.

und

Dass Beiträge manipuliert werden, kann sich langfristig niemand erlauben.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind die wichtigsten Aspekte im Verhältnis zwischen Blogger und Blogleser. Jeder, der ernsthaftes Interesse am bloggen hat und dies mit Leidenschaft betreibt, wird dieses Verhältnis nicht wegen ein paar Euro riskieren. Denn langfristig fällt dies auf bzw. kommt raus und dann gibts keine Leser mehr und dies ist sicher nicht das Ziel. Der Blogger hat also ein Eigeninteresse an einem ehrlichen und offenen Umgang mit dem Leser und an einer Authentizität seiner Artikel und seiner Person.

Wie also weiter?

Ja, wie nun weiter…? Vielleicht versuchen „wir“ es alle einfach mit etwas mehr Gelassenheit. Jeder der Blogartikel liest und den jeweiligen Artikel gut, hilfreich, sinnvoll oder motivierend findet, teilt dieses Artikel in seinen Netzwerken und macht darauf aufmerksam. Allein das ist schon Belohnung für viele Blogger. Gibts es einen Flattr-Button, einen Adsense- oder anderweitigen Werbebanner, so darf man hierüber auch gern seine Anerkennung ausdrücken. Davon wird keiner reich, aber es vermittelt einem das Gefühl von Anerkennung und eben auch Vertrauen.

Noch wichtiger ist aber, dass man als Leser Artikel, für welche der Blogger eine Aufwandsentschädigung bekommen hat (in welcher Form auch immer), sachlich kommentiert und dem Blogger vollkommen unvoreingenommen das Vertrauen entgegenbringt. Jeder erwartet dies auch andersherum – warum also nicht einfach einmal gönnen?

Warum auch nicht sogar kooperieren? (hierzu auch Leseempfehlung: Artikel von Jochen Mai alias @Karrierebibel zum Thema Vernetzen unter Bloggern)

Wenn es thematisch passt kann man so einem Werbepartner doch auch einmal einen Bloggerkollegen empfehlen. Oder wenn es um Produkttests etc. geht einfach auf andere Blogger hinweisen und so sich gegenseitig fördern. Was spricht dagegen?

 

Steve Rueckwardt

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