#Merkelstreichelt – Mein Fazit nach den vollen 88 Minuten

Merkel Dialog mit Jugendlichen

Recht früh am heutigen Morgen las ich einen Tweet in dem es um Kanzlerin Merkel und Flüchtlingsthematik ging. Verlinkt war ein Video, welches mittlerweile recht viele gesehen haben dürften. Zumindest innerhalb der klassichen Filterbubble.

Nach diesem Video war mein erster Gedanke

o.O

Es dauerte nicht lang und das Video wurde x-fach geteilt und der Hashtag #merkelstreichelt „eroberte“ die Twitterstreams. Ebenso dauerte es nicht lang, bis sich Kritiker gegen die Kritiker meldeten.

Die F.A.Z. schrieb in ihrem Artikel, zur vollständigen Meinungsbildung solle man sich zumindest den ganzen Beitrag anschauen. Das verlinkte Video lieferte bei mir dann aber eine 403 Forbidden Meldung im Browser. Der @Regsprecher lieferte aber eine Alternative.

Also: vollständige Meinung bilden:

Mein Fazit nach 88 Minuten Merkel-Dialog

Es wurden viele recht interessante Fragen gestellt. Merkel machte auch weitestgehend eine „gute Figur“, versuchte Interesse zu zeigen und auf die Themen der Jugendlichen einzugehen. Natürlich ohne gross von ihrem Schema, ihrer Meinung abzuweichen.

Speziell bezogen auf die Szene aus obigem Video mit dem Mädchen (ab Minute 37): das obige Video verkürzt die ca. 10minütige Gesprächssituation zwischen Merkel und dem Mädchen auf ca. 1:45 Min, wodurch die Situation doch etwas falsch wiedergegeben wird. Dennoch ändert sich an meinem o.O auch nach der Sichtung des kompletten Gespräches nicht viel.

Da sitzt ein junges Mädchen, dass deutlich macht wie wohl sie sich in ihrer Umgebung fühlt, die erklärt, dass sie gut aufgenommen wurde. Ein jungen Mädchen das seit 4 Jahren in Deutschland ist, die Sprache sehr gut spricht und neben Deutsch auch noch andere Sprachen lernt. Ihr macht es Spass. Ein Mädchen das aber auch klar formuliert, dass es Angst hat, unsicher ob seiner Zukunft ist. Diese Angst führt dazu, dass sie in Tränen ausbricht, kurz nachdem Frau Merkel sagt „…es werden manche auch wieder zurückgehen müssen…“.

Ich habe Verständnis, dass diese Situation für Frau Merkel sichtlich schwierig ist. Aber jemandem in dieser Situation dann zu sagen „…Du hast das doch prima gemacht…“ und nach dem Hinweis des Moderators, dass es wohl eher um die belastende Situation des Mädchen allgemein geht, zu sagen „…das weiss ich, dass dies eine belastende Situation ist, deswegen möchte ich sie aber dennoch einmal streicheln…“ zeugt – da stimme ich der allgemeinen Kritik zu – von ziemlich wenig Empathie und Feingefühl.

Natürlich hätten in der Situation auch viele andere etwas überfordert dagestanden. Aber Frau Merkel ist nun mal nicht irgendwer. Frau Merkel war und ist in einer Position, in welcher sie massgeblich die Entscheidungen und Handlungen bzgl. der Flüchtlingspolitik mit zu verantworten hat. Wenn man dann – evtl. erstmalig – direkt mit Entscheidungen seiner eigenen Handlungen und Entscheidungen konfrontiert wird, mag das überfordern. Aber es rechtfertigt meiner Ansicht nach nicht, die Art und Weise wie Frau Merkel hier agiert.

Die Kritik an der Reaktion und den Worten von Frau Merkel ist meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Manche Aussagen von KritikerInnen sind jedoch übertrieben („Mädchen wird abgeschoben“) bzw. beschreiben die Situation nicht korrekt

Nicht ganz unspannend wird es übrigens wenig später im Verlauf der „Sendung“ ab Minute 49:30. Da geht es um die Ehe für alle. Auch wenn Frau Merkel hier weiterhin ihre persönliche Sicht auf die Ehe in ihr Amt als Bundeskanzlerin transferiert und zwar wahrnimmt, dass viele dies anders sehen als sie, sich davon aber nicht sonderlich beeindrucken lässt etwas zu ändern, ist der Dialog nicht uninteressant.

Die beste „Figur“ macht für mich der Moderator, nämlich Felix Seibert-Daiker. Er lässt Merkel oft nicht so einfach aus Situationen heraus, hakt nach, drängt immer wieder auf konkrete(re) Aussagen, was die Kanzlerin hier und da doch ein klein wenig aus der Ruhe bringt – so scheint es zumindest.

Die kompletten 88 Minuten gibt es derzeit noch hier zu sehen.


 

Steve Rueckwardt

Veröffentlicht von

steve-r.de

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe mir das ganze Gespräch zwischen Merkel und Reem angesehen, nicht nur die Kurzversion des NDR. Zuerst war ich von den negativen Reaktionen im Netz überrascht, später angewidert. Und zwar aus einem einzigen Grund. Merkel hat auf Reems Reaktion reagiert. Vielleicht nicht so, wie man das z.B. von Claudia Roth erwartet hätte. Sie ist Meisterin der Betroffenheitsbezeugung. Jedem liegt das nicht, wohl auch nicht Frau Merkel. Sie deshalb aber so abzuqualifizieren, wie das im Netz geschehen ist, halte ich nicht für in Ordnung.

    Wer von uns kann sagen, wie sehr Merkel hinter der Asylpolitik ihrer Regierung steht bzw. wie sie als Mensch darüber denkt? Weiß das jemand und wie schwer wird es wohl sein, Entscheidungen treffen zu müssen(!), die vielleicht ein Stück weit die eigene Überzeugung außer acht lässt?

    Ich glaube, im Netz hat sich eine Gegenöffentlichkeit etabliert, die unserer Demokratie keineswegs gut tut. Natürlich nicht deshalb, weil es in diesem Fall gegen Frau Merkel geht, sondern deshalb weil die Form der Auseinandersetzung immer zugespitzter und auch ein Stück weit feindseliger ist. Ich hoffe, dass sich diese Art von Auseinandersetzungen nicht auch in normale Leben übertragen werden. Das könnte ich nicht aushalten.

    Ich bin übrigens kein CDU-Wähler und auch kein Merkel – Fan. Die Art des Umgangs mit Politikern ist in meinen Augen nicht in Ordnung.

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