Gedankenspiele

Ich denke wieder viel in letzter Zeit. Naja, eigentlich schon immer. Mal mehr, mal weniger eben. Im Moment ist es wieder mehr. Irgendwie machen wir Menschen dies ja alle, also nachdenken. So unterbewusst, irgendwie. Bewusst tue ich es in letzter Zeit eben wieder mehr.

Worüber? Über Prism? Abhörthemen? Datensicherheit? Ja, auch. Aber nicht so stark. Ist es mir gleichgültig? Nein. Warum also nicht darüber nachdenken? Keine Ahnung. Vieles von dem was ich dazu in den letzten Wochen gelesen habe fand ich nicht überraschend, manches anstrengend, irgendwie. Viel schockierender als die Tatsache, dass alles mitgeschnitten und gespeichert wird (irgendwie hat man es ja immer geahnt) finde ich, dass sich die Führung unseres Landes zu Wort meldet. Also weniger dass, sondern mehr wie sie sich zu Wort meldet. Und dann wird einem bewusst, dass da Leute am Ruder des Schiffes sind, die man sehr ungern den Kurs bestimmen lassen mag. Aber es sind ja glücklicherweise bald Wahlen. Ich darf meiner Mitbestimmung im demokratischen Miteinander gerecht werden. Nur: wen bzw. was wählen? Von den „grossen“ Volksparteien ist ja irgendwie auch nicht mehr so viel Grösse über. Also was kleines, neues wählen. Die sind frischer, haben vielleicht noch Ideale an die sie selbst glauben. Ja, das wäre doch was. Aber können die dann was ändern? Die müssen ja bestimmt koalieren. Was wird dann mit den Idealen? Schwierig, oder…?

Nein nein, darüber denke ich nicht viel nach. So nebenher vielleicht. Schlimm? Vielleicht. Ist ein wichtiges Thema. Ja. Mir ist das alles einfach noch zu sehr Eisbergspitze und zu wenig Grundlagental. Aber kommt ja vllt. doch noch etwas sommerliche Hitze und bringt den (Eis)Berg der Erkenntnis zum Schmelzen. Alles dazu war das bestimmt noch nicht. Vielleicht ist die Reaktion auf die Enthüllungen ja auch deshalb eher etwas verhalten, weil man sich das für später aufheben möchte? Wer weiss schon, was noch so kommt?

Und jetzt denke ich z.B. gerade darüber nach, ob das zu sehr metaphernlastig wird, also dieser Text. Dann versteht mich vielleicht niemand, oder es ist zu arg schwer zu lesen. Dann teilt das niemand, kommentiert niemand. Auch so etwas, worüber ich viel nachdenke. Oftmals schreiben die Menschen, man tue dies ja vorrangig für sich selbst. Also das Schreiben. Niemand müsse es lesen. Das klingt schön. Und irgendwie auch richtig. Es ist befreiend, Dinge zu schreiben. Manchmal auch, ohne es am Ende zu veröffentlichen. Aber mal ehrlich: ich schreib die Sachen ins Internet weil mir danach ist, es mir Spass macht, ja klar. Aber ich schreib das natürlich auch, damit das wer liest. Damit ich damit jemanden erreiche. Sei es, um einen Meinungsteiler zu erreichen oder auch – und dies finde ich sehr wichtig – um einen Anderemeinungshaber zu erreichen. Ich will den Dialog, Leute die schreiben dass sie das verstehen, ähnlich denken, anders denken, das für Quatsch halten weil so und so. Ich möchte, dass es Leute teilungswürdig finden, es liken, twittern – um mehr Menschen zu erreichen, andere Meinungen, Gedanken, Sichtweisen zu erfahren. Verschiedene Sichtweisen, ja, dies fand ich schon immer gut. Es bereichert, regt zur Selbstreflekion an. Aber sowas gibt man natürlich nicht zu, man schreibt sowas nicht so direkt. Ja mannometer, warum denn eigentlich nicht?

Über Menschen denke ich nach. Wie sie so sind. Und warum. Ja, manchmal auch warum sie so sind. Oft eigentlich. In letzter Zeit ganz oft. Menschen führen Krieg gegen andere Menschen. Oft kennen sich die, die sich letztlich gegenüberstehen gar nicht. Hatten nie etwas miteinander zu tun. Haben wahrscheinlich oft nicht mal ansatzweise die wahrscheinliche Möglichkeit überhaupt jemals etwas miteinander zu tun zu haben. Und dennoch: sie drücken den Abzug durch, zünden die Bombe, geben Befehle zur Tötung. Sie ändern damit ein Leben eines anderen Menschen. Das dessen Familie. Warum machen Menschen soetwas? Umgekehrt wollen sie es doch mit höchster Wahrscheinlichkeit auch nicht. Sie wollen nicht, dass ein anderer Mensch ihr Leben auf eine solche Art verändert. Warum tuen sie es dann bei anderen? Wo kommt soetwas her? Ist das vielleicht gar nicht so schlimm, ist es vielleicht der Lauf des Lebens? Warum irritiert es mich dann, finde ich es höchst unmenschlich, unnatürlich, schrecklich? Aber auch wenn sie nicht töten, die Menschen, was ja glücklicherweise beim Grossteil der Fall ist, verhalten sie sich seltsam. Sie beschimpfen andere, weil diese ein anderes Lebensmodel gewählt haben, als sie selbst. Weil sie eine andere Hautfarbe, Kulturzugehörigkeit oder religöse/antireligöse Sichtweise haben. In den seltensten Fällen sind diese Attribute gewählt. Sie sind einfach so. Von Geburt an oder durch Erziehung/Gesellschaft geprägt. Gar nicht schlimm, tut keinem weh. Und doch geht man sich deswegen an, teilweise gegenseitig.

Über das digitale Leben denke ich auch viel nach. Ist das auch alles so schön wie ich es mir gern einrede? Ich mag das Internet und dessen Möglichkeiten. Ich kann einen Grossteil meiner Introvertiertheit gut darin ablegen, kann mehr ich selbst sein. (Wobei – bin ich ich selbst, wenn ich einen Teil von mir ablege?) Seit meiner ersten Online-Minute bin ich begeistert davon. Chats, E-Mail, Blogs, Twitter – alles tolle Möglichkeiten. Auch um neue Menschen kennenzulernen. Das Digitale hat mir schon viele neue Bekanntschaften gebracht. Viele blieben digital, andere wurden real. Der Switch vom digitalen Miteinander ins Kennenlernen im Realen ist mir nicht neu, dennoch bin ich immer wieder aufgeregt. Unsicher. Manche Menschen beeindrucken mich mit ihrem digitalen und/oder realen Ich. Ich neige dazu, manches etwas zu euphorisch nach aussen zu zeigen. Meine Anerkennung, meine Gedanken, meine Meinung. Andere verstehen das dann nicht, falsch oder sind irritiert. Alles schon passiert. Also lieber nix sagen? Dann sind wir dann auch wieder beim Dialog, beim Austausch. Zurückhaltung ist schon gut, in den richtigen Momenten. Schwierig ists eben, diese richtigen Momente sie zu üben oder sie fallen zu lassen (also die Zurückhaltung), zu erkennen. Gibts kein Handbuch für. Ist bei jedem Mensch anders. Und dann sind da ja auch noch die unterschiedlichen Situationen, welche man auch noch berücksichtigen darf. Verrückt. Irgendwie auch kompliziert. Aber auch im Digitalen ist es immer häufiger seltsam, zumindest in meiner Wahrnehmung. Gestern erst, da las ich einen Kommentar unter einem YouTube Video (ja ja, man soll das nicht, schon klar), wo der Kommentator schrieb, AIDS existiere gar nicht. Was geht in so einem Menschen vor? Aber auch wegen unwichtigem wird sich gegenseitig angegangen. Soetwas wie Anstand und Respekt nimmt irgendwie gefühlt ab. Warum nur? Und ist das der Lauf der Evolution? Brauchen wir es vielleicht gar nicht? Ist soetwas gesellschaftlich vielleicht total überholt?

Vertrauen, da denke ich auch viel drüber nach. Wem oder was kann man eigentlich (noch) vertrauen? Vor ein paar Tagen stand ich im Supermarkt vorm Gemüseregal. Gurken. So grüne, normale Gurken. 0,59 EUR das Stück. Herkunftsland Polen. Eine Stiege tiefer: Herkunftsland Deutschland. Der Preis war höher (genau weiss ich ihn leider nicht mehr). Warum ist das so? Warum ist eine Gurke die von viel weiter her kommt, hierher transportiert werden muss, günstiger als etwas, was man auch in der Region, vor der Haustür quasi, beziehen kann. Und woran erkenne ich, dass die Gurke, die laut Schild aus der Region kommt, nicht eine ist, die doch aus einem anderen Land über lange Wege hierher gelangt ist? Beide sahen für mich wie normale grüne Gurken aus. So allgemein ist das mit den Lebensmittels ja gar nicht lustig. Wie darf in unserem überregulierten Land Essen verkauft werden, welches auf der Verpackung und teils auch im Name suggeriert, es seit gesund und gut und ist eben dies genau nicht. Und warum schmeckt vieles davon auch noch so verdammt gut? Wieso ist das Obst- und Gemüseregal in der Regel nicht mindestens genauso lang und hoch wie das mit Süssigkeiten? Wie kann man als ganz „normaler“ Kunde schnell und einfach erkennen, welche Lebensmittel gut sind und welche nicht? Kann ich sicher gehen, dass die Tiere, die für die Wurst bzw. das Fleisch das ich erwerbe ihr Leben gaben, dass diese ein gutes hatten? Ein tier- nein, ein lebenswürdiges? Das gilt auch für andere Produkte. Was kann ich an Klamotten überhaupt noch kaufen ohne Gefahr zu laufen, nicht etwas zu erwischen, wo im Zweifel Menschen zu Spottlöhnen unter fragwürdigen Bedingungen für geackert haben. Ebenso bei elektronischen Gadgets und so weiter. Ich würde hier und da mehr bezahlen, wenn es klarer erkenntlich wäre. Endlos lässt dies mein Geldbeutel natürlich auch nicht zu. Und was machen Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht? Ist gute, fair hergestellte und nachhaltige Ware nur etwas für gut verdienende Menschen? Und wenn es von denen doch deutlich weniger gibt als von denen die gemein hin als arm bezeichnet werden, müsste es dann nicht das Ziel sein, es für die grosse Gruppe zu ermöglichen, soetwas zu einen bezahlbaren Preis mit einem guten Gewissen erwerben zu können? Auch glaube ich, dass es oft gar nicht so sehr darum gehen sollte, für etwas (vermeintlich) Gutes, mehr und tiefer in die Tasche zu greifen. Ich möchte vertrauen können. Vertrauen in die Hersteller, dass sie es ehrlich mit mir meinen. Natürlich müssen die auch von was leben, ihre Mitarbeiter bezahlen etc. Aber doch nicht um jeden Preis, oder doch? Es sind Menschen die Unternehmen leiten. Wenn einige davon mal etwas mehr so agieren würden, wie sie es als Konsument selbst wünschenswert finden, sähe vieles schon anderes aus. Aber wir lernen ja schon von klein auf: es braucht Wachstum. Immer.

Umweltschutz, ja, das ist gut. Da kämpfen wir für, gerade hierzulande. Das ist ja auch wichtig und richtig. Aber am Samstag, da fahren wir 2x quer durch die Stadt um auch ja jedes Schnäppchen aus dem Papierberg an Prospekten mitzunehmen. Diese Prospekte (und Kataloge!), auch so ein Ding. Wenn man mal so nach ner Woche den Papiermüll runterbringt und merkt, dass vieles davon vollkommen unnötig darin gelandet ist, gar nicht hätte produziert und bedruckt werden müssen (Transport und Aufwand für Recycling aussen vor). Und dies bin nur ich. Man stelle sich dies mal auf alle Mieter im Haus vor, oder die ganze Stadt oder ganz Deutschland. Jede Woche. Wahnsinn. Und dann gibt es da ja noch andere Länder. Vergisst man ja mal schnell. Von dem ganzen Plastik möchte ich jetzt gar nicht erst anfangen. Aber alles nicht sooo schlimm: beim Wegwerfen trennen wir natürlich, wir sind ja schliesslich umweltbewusst!

Das Wetter ist übrigens so halbwegs, wie man es um diese Jahreszeit erwartet. Schön. Was macht Ihr so am Wochenende?


Steve Rueckwardt

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