ZDF-Beitrag „Extreme Gewaltbereitschaft“ – Stellungnahme der aspekte Redaktion | mein Kommentar

Vor wenigen Minuten hat die Redaktion von aspekte zu den vielen Vorwürfen und Zuschriften bzgl. dem Bericht über Ostdeutschland im Allgemeinen und Jena im Speziellen im Zusammenhang mit rechter Gewalt eine Stellungnahme abgegeben:

Liebe Zuschauer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift zu unserer Sendung vom 18.11. Wir bedauern, dass unser Beitrag Sie so sehr empört hat. Wir hatten nicht die Absicht „den Osten“ und die Stadt Jena pauschal zu verurteilen.

Allerdings halten wir es für journalistisch vertretbar, dass wir dem Schriftsteller Steven Uhly, der sich wie viele andere Bürger auch in den östlichen Bundesländern von manifester Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Pöbeleien bedroht fühlt, ein Forum gegeben haben. Seine Angstgefühl mag höchst subjektiv sein, ist aber deswegen nicht weniger legitim. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, einem Interviewpartner die Meinung einer Redaktion in den Mund zu legen.

Nach der Entdeckung eines rechtsterroristischen Netzwerks, das zehn Menschen ermordet hat, haben wir Uhly Gelegenheit gegeben, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit diesen Ängsten steht er als Bürger mit ausländischen Wurzeln keineswegs allein da.

Dass es in Jena viele Menschen gibt, die sich seit Jahren, wie Pfarrer König, im Kampf gegen die rechte Szene engagieren, hat unser Beitrag deutlich gezeigt. Aber gerade er und der Aussteiger Uwe Luthardt bestätigen die Existenz einer gewissen Fremdenfeindlichkeit, also genau den Grund für die Angst von Steven Uhly. Auch der kurdische Imbissbesitzer, bei dem sich Luthardt und Uhly trafen, wollte nicht vor die Kamera. Er habe Angst sich das Geschäft zu verderben, erklärte er seine Ablehnung. Noch immer gibt es in der Universitätsstadt Jena den berühmt berüchtigten Nazitreffpunkt das „Braune Haus“, das zwar zur Zeit aus baurechtlichen Gründen geschlossen ist, dessen Garten aber immer noch für rechtsextreme Versammlungen genutzt wird.

Von den 156 Menschen, die seit 1990 bei rechtsextremistischen Übergriffen zu Tode kamen, ist die Hälfte im Osten ermordet worden. Wenn man diese Zahl ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der alten und neuen Bundesländer setzt, dann stellt man fest, dass die Zahl der Übergriffe in den neuen Bundesländern signifikant, nämlich fünfmal höher liegt. Zwar sind die rechten Gewalttaten mit Todesfolge glücklicherweise rückläufig, aber die ostdeutschen Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt berichten, dass sich die Zahl rechter Übergriffe seit Jahren auf einem skandalös hohen Niveau bewegt.

Wenn unser Beitrag Ihrer Meinung nach die Auseinandersetzung mit dem Problem des Rechtsextremismus nicht gefördert hat, tut uns das leid. Wir können Ihnen aber versichern, dass wir an diesem sensiblen Thema dran bleiben.

Mit freundlichen Grüßen,

Anna Riek,
Redaktion aspekte

Sehr geehrte Frau Riek, geschätztes Redaktionsteam von aspekte,

diese Stellungnahme kann unmöglich Ihr Ernst und Ihre angemessene Reaktion auf die vielen Zuschriften sein.

Allerdings halten wir es für journalistisch vertretbar, dass wir dem Schriftsteller Steven Uhly, der sich wie viele andere Bürger auch in den östlichen Bundesländern von manifester Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Pöbeleien bedroht fühlt, ein Forum gegeben haben.

Ja, ihm ein solches Forum zu geben ist selbstredend legitim. Leider kommt in Ihrem Beitrag nicht hervor, worauf sich seine Angst begründet. Es kommt jedoch hervor, dass er nur sehr selten in die „ostdeutschen“ Länder reist. Also ist seine Angst nur eine subjektiv gefühlte? Nicht dass wir uns missverstehen, die Angst ist deswegen nicht weniger ernst zu nehmen. Nur fehlt es mAn an einer Erläuterung, wie er zu dieser Angst im speziellen Bezug zu „Ostdeutschland“ kommt. Wie oft reist Herr Uhly denn in „westdeutsche“ Städte und ist seine Angst dort geringer?

Betrachte ich mir nämlich einen Bericht aus der Südeutschen Zeitung aus 2009, so frage ich mich schon, warum Herr Uhly sich in München eher angstfrei bewegen kann, als in irgendeiner anderen deutschen Stadt – wissen Sie es?

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, einem Interviewpartner die Meinung einer Redaktion in den Mund zu legen.

Vollkommen richtig, und dies hat auch niemand von Ihnen verlangt. Sehr wohl darf man es jedoch als Ihre Aufgabe ansehen, neben der einen Meinung Ihres Interviewpartners, den Sachverhalt journalistisch sauber aufzubereiten und ihn von allen Seiten zu beleuchten.

Nach der Entdeckung eines rechtsterroristischen Netzwerks, das zehn Menschen ermordet hat, haben wir Uhly Gelegenheit gegeben, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit diesen Ängsten steht er als Bürger mit ausländischen Wurzeln keineswegs allein da.

Natürlich steht Herr Uhly mit seinen Ängsten nicht allein da. Sicherlich haben auch die Hinterbliebenen der Opfer Ängste. Sicherlich haben auch viele andere Mitbürger mit „Migrationshintergrund“ Ängste. Auch deutsche Mitbürger haben Ängste vor rechtsradikalen Gewalttaten. Dies ist klar und wird von niemandem bestritten. Sie müssen sich mAn jedoch sehr wohl den Vorwurf gefallen und die Frage stellen lassen, warum Sie ausgerechnet einen Interviewpartner gewählt haben, welcher kürzlich ein Buch veröffentlicht hat, welches zudem mit etwas über eine Minute in Ihrem Beitrag „beworben“ wird. Da hätte es doch wesentlich bessere Möglichkeiten gegeben, diese Minute zu füllen. Mit Gesprächen von ausländischen Studenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Beispiel.

Dass es in Jena viele Menschen gibt, die sich seit Jahren, wie Pfarrer König, im Kampf gegen die rechte Szene engagieren, hat unser Beitrag deutlich gezeigt.

Dann haben Sie einen anderen Beitrag gesehen als ich und wahrscheinlich die vielen anderen Zuschauer auch. Denn genau dies wird in Ihrem Beitrag eben überhaupt nicht klar. Und deutlich schon gar nicht.

Aber gerade er und der Aussteiger Uwe Luthardt bestätigen die Existenz einer gewissen Fremdenfeindlichkeit, also genau den Grund für die Angst von Steven Uhly. Auch der kurdische Imbissbesitzer, bei dem sich Luthardt und Uhly trafen, wollte nicht vor die Kamera. Er habe Angst sich das Geschäft zu verderben, erklärte er seine Ablehnung.

Ja, da haben Sie natürlich vollkommen Recht. Und die Angst von kurdischen, indischen, türkischen [bitte beliebig fortzusetzen] Ladenbesitzern und die „gewisse Fremdenfeindlichkeit“ welche in anderen deutschen Städten und auch Dörfern u.a. auch in den „westlichen“ Bundesländern existiert, wurde warscheinlich aus reinen Gründen mangelnder Sendezeit nicht erwähnt?

Von den 156 Menschen, die seit 1990 bei rechtsextremistischen Übergriffen zu Tode kamen, ist die Hälfte im Osten ermordet worden. Wenn man diese Zahl ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der alten und neuen Bundesländer setzt, dann stellt man fest, dass die Zahl der Übergriffe in den neuen Bundesländern signifikant, nämlich fünfmal höher liegt. Zwar sind die rechten Gewalttaten mit Todesfolge glücklicherweise rückläufig, aber die ostdeutschen Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt berichten, dass sich die Zahl rechter Übergriffe seit Jahren auf einem skandalös hohen Niveau bewegt.

Verstehe ich Sie richtig, dies ist die Grundlage für Ihren Beitrag? Dies ist Ihre Legitimation zur pauschalen Beurteilung von ganz „Ostdeutschland“? Dann ist es sicherlich nach Ihrer Sichtweise auch vollkommen ok zu behaupten, dass komplett Westdeutschland ein einziger Drogensumpf ist? Wie ich darauf komme? Im Drogen- und Suchtbericht 2011 (PDF) findet sich auf Seite 56 folgende Statistik des Bundeskriminalamtes

Wie Sie unschwer feststellen werden, so liegt die Anzahl der Drogentotesfälle in den „westlichen“ Bundesländern überproportional über denen in den „östlichen“ Bundesländern. Warum machen Sie darüber nicht einmal einen Bericht und warnen vor dem Betreten von „Westdeutschland“?

Finden Sie falsch? Richtig, das wäre vollkommen albern und absolut unsinnig und an der Realität vorbei. Hm, merken Sie etwas?

Wenn unser Beitrag Ihrer Meinung nach die Auseinandersetzung mit dem Problem des Rechtsextremismus nicht gefördert hat, tut uns das leid. Wir können Ihnen aber versichern, dass wir an diesem sensiblen Thema dran bleiben.

Ihr Bedauern ehrt Sie, kommt mAn aber zu spät. Sie hätten mit der Erstellung des Beitrages und einer objektiven Berichterstattung die Chance gehabt, das Thema journalistisch sauber zu aufzubereiten. Dies ist Ihnen jedoch leider nicht gelungen. Dass es ein sensibles Thema ist, ist Ihnen sicherlich spätestens nach den vielen Wortmeldungen Ihrer Zuschauer bewusst geworden. Schade, dass Sie die Möglichkeit, das Thema „geradezurücken“, nicht wirklich gut genutzt haben…

 

weitere Berichte/Artikel zur Stellungnahme:

Blogsichtung: braunes Nazi Nest Jena – die Reaktionen auf den ZDF „aspekte“ Beitrag

Steve Rueckwardt

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44 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Ich lebe in Ostdeutschland, in Jena, und ich habe Angst... | steve-r.de

  2. ZDF:“Noch immer gibt es in der Universitätsstadt Jena den berühmt berüchtigten Nazitreffpunkt das „Braune Haus“, das zwar zur Zeit aus baurechtlichen Gründen geschlossen ist, dessen Garten aber immer noch für rechtsextreme Versammlungen genutzt wird.

    Cicero: „Als die NPD in einem alten Gasthof im Jenaer Stadtteil Altlobeda ein Schulungs- und Schaltzentrum ausbauen wollte, formierte sich schnell Protest in der Nachbarschaft. „Wir waren entsetzt und gründeten die Lobedaer Initiative für Zivilcourage“, erzählt Sabine Lötzsch, Mitarbeiterin bei Jenoptik. 40 Jugendliche blockierten das Haus. Mit Erfolg: Die Polizei verriegelte das Gebäude wegen Baufehlern, mehrmals wurden die Räume nach Waffenlagern durchsucht. Der braune Spuk ist damit trotzdem nicht vorbei: Die Kameraden treffen sich regelmäßig in einem NVA-Zelt im Garten, über dem eine schwarz-weiß-rote Reichsfahne weht. Im „braunen Haus“ soll es in den vergangenen fünf Jahren bis zu 100 Veranstaltungen gegeben haben. Lötzsch will den Kampf nicht aufgeben.“

    Das zu recherchieren hat jetzt ganze fünf Minuten gedauert!

  3. Zitat: 40 Jugendliche blockierten das Haus. Mit Erfolg: Die Polizei verriegelte das Gebäude wegen Baufehlern, mehrmals wurden die Räume nach Waffenlagern durchsucht.

    – Die Schließung des „Braunen Hauses“ und die Durchsuchungen haben wir nicht einer Blockade von 40 Jugendlichen zu verdanken. Sie sollten sich vielleicht einmal erkundigen, durch wen dies erst möglich wurde. Derjenige hätte eigentlich eine Medaille verdient.

  4. Allein die Tatsache, dass dieser Münchner Türke ein Autor von Hassliteratur (nur eben in die andere Richtung) ist, hätte dem ZDF eine Warnung und Hinweis sein müssen, dass dieser Mann sich versucht zu vermarkten …

    Dieser Pfarrer König wird ebenfalls vom Rechtsstaat verfolgt. Wie kann es sein, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen einem solchen Kriminellen fruchtbaren Boden bietet ???

    bei all der Nazi Polemik darf auch die linke Gefahr nicht aus den Augen gelassen werden, denn diese finden in diesen Zeiten bei so manchem Kurz-sinnigen Zeitgenossen Sympathie …

    • Steve Rueckwardt

      Nur zur Richtigstellung: laut dem Beitrag ist Herr Uhly kein türkischer Landsmann sondern Bengale (Wikipedia)

      Zu den anderen Äusserungen: ich bitte darum, etwaige Beschuldigungen oder Vorwürfe zu überdenken bzw. zu unterlassen. Meinem Wissen nach wurde z.B. das Verfahren gegen Herrn König eingestellt.

  5. @Haiko
    Ironie des Schicksals: Pfarre König wurde vom „Rechts“Staat verfolgt weil er an einer Demo gegen Rechtsextremismus teilnahm. Und kriminell ist man erst wenn man rechtskräftig verurteilt ist …

  6. Vielen Dank für die tolle Auseinanderetzung mit dieser hahnebüchenen Stellungnahme.
    Vielleicht ist es naiv, aber ich würde mir wünschen, das sowohl bezogen auf diesen Fall, als auch im Allgemeinen gerade bei den ÖR ein Umdenken dahingehend einsetzt, dass man
    a) vorher genauer hinterfragt, ob mein ein Thema journalistisch sauber ausgearbeitet hat und
    b) falls man hinterher feststellt, dass a) wohl nicht geklappt hat die Chance nutzt, einen ergänzenden / richtigstellenden, jedenfalls besseren Beitrag zu erstellen und zu senden.

    Ich kann mir jedenfalls nicht ernstahft vorstellen, dass die aspekte Redaktion offenen Herzens meint was sie da schreibt. Dabei wäre das Thema ein Beleuchtung Wert gewesen. Aber hier hat man nicht beleuchtet, sondern konstruiert.

  7. Sehr gelungene Analyse – und dieser westdeutsche Drogensumpf :)
    Die Hoffnung auf besseren Journalismus gebe ich trotz dieses peinlichen Doppelausrutschers noch nicht auf.

  8. Nun, ich finde es ja gut, wenn man sich mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt und vor allem wenn man hinterfragt was man sieht, vor allem Beiträge aus dem Medium TV. Zu viele Menschen lassen sich einfach nur von diesem Medium beschallen und nehmen Dinge so hin wie sie dort geschildert werden, viel schlimmer noch: Sie machen sie zu Ihrer eigenen Meinung.

    Allerdings möchte ich eine kurze Frage, die besonders an den Autor dieses Blogs gerichtet sein soll, in den Raum werfen.

    Wie soll man jemanden ernst nehmen, der überdurchschnittlich viele grammatikalische Fehler in Seinem im Internet veröffentlichten Text gemacht hat ernst nehmen. Teilweise versteht man Abschnitte nicht, weil sie vom Syntax her keinen Sinn ergeben.

    Ich finde den Beitrag von aspekte sehr gelungen, und nur weil man selbst aus der Gegend kommt, die dort beschrieben wird, darf man nicht sinnlos gegen einen solchen Beitrag hetzen, sondern sollte der Wahrheit vielleicht mal ins Auge sehen.

    Vielleicht liegt ja darin das Problem, dass der Rechtsradikalismus sich so enorm (besonders in Ostdeutschland) verbreitet ist( http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798418,00.html ) , weil zu viel Menschen die in diesen Regionen leben, sich persönlich angegriffen fühlen und ungerecht behandelt fühlen. Und deshalb der Wahrheit nicht ins Auge sehen können.

    Ach ja, und der respektlose Ton der in diesem Artikel vorherrscht gefällt mir auch nicht:
    Zitat : „Hm, merken Sie etwas?“

    Ein Tipp von meiner Seite an den Autor: Falls man einen Eintrag im Nachhinein noch bearbeiten kann, bitte die Rechtschreibfehler und dieses „mAn“ beseitigen oder erklären; den Sinn dieses Wortes habe ich noch nicht entziffert.

    • Steve Rueckwardt

      Hallo WeEzE,

      danke für das Feedback und die Kritik, zu welcher ich gern Stellung nehme.

      1) Bei der Erstellung eines Textes kann es durchaus zu Rechtschreibfehlern kommen. Ich bin schliesslich ein Mensch und keine Maschine. Auch wenn man seine eigenen Texte x-fach durchliest und prüft entdeckt man leider öfters nicht jeden Fehler vor der Veröffentlichung. Viele Blogger oder auch Autoren werden dies kennen. Wenn meine Rechtschreibfehler dazu führen, dass Du mich weniger ernst nehmen kannst, so bedauere ich dies. Dass es jedoch menschlich ist, (Rechtschreib-/Grammatik-)Fehler zu machen, zeigt sich an Deinem Kommentar. ;)

      Ich habe nun nochmal redigiert und insgesamt 4 Fehler beseitigt. (unter anderem ein doppeltes „und“ entfernt und Endungen korrigiert). Das man Abschnitte jedoch inhaltlich nicht versteht, da sie von der Syntax her keinen Sinn ergeben kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht hilfst Du mir mit einem Beispiel weiter?

      2) Schade, dass Du der Ansicht bist, ich „hetze sinnlos“ gegen diesen Beitrag. Ich habe in meinem ersten Blogpost – wie ich finde – sachlich Stellung zu dem Beitrag bezogen. In obigem Artikel kommentiere ich die Stellungnahme der aspekte-Redaktion. Ebenso sachlich! Das ich hier Stilmittel wie Überspitzungen nutze ist durchaus legitim und dient der Verdeutlichung des Sachverhaltes. Niemand hat bestritten, dass es in Jena Nazis und rechtes Gedankengut gibt. Niemand hat bestritten, dass es dies in „Ostdeutschland“ gibt. Niemand sagt, dass dies tabuisiert werden soll. Aber zur Betrachtung eines Sachverhaltes gehört eben mehr als nur eine Seite zu beleuchten. Wie oft warst Du denn schon in Jena? Wieviel Erfahrung hast Du denn mit dem „braunen Sumpf“ der komplett „Ostdeutschland“ überzieht? Aber eine noch viel entscheidendere Frage: wie würdest Du reagieren, wenn man Deine Heimatstadt, Deine Hemaitregion pauschal verurteilt?

      Das Problem ist ein gesamtdeutsches, denn wir sind EIN Land, seit nunmehr über 21 Jahren. Vollkommen egal wie es sich prozentual regional verteilt, ist eine Stigmatisierung von allen Bürgern der Region nicht gerechtfertigt und trägt zudem sicherlich nicht dazu bei, die Mauern in den Köpfen zu beseitigen.

      Du benötigst nicht viel Zeitaufwand um zu recherchieren, welche Aktivitäten in Jena gegen rechtes Gedankengut laufen. Von Augen verschliessen kann somit überhaupt keine Rede sein.

      3) Dass Du es als „respektlos“ ansiehst, wie ich es formuliert habe, ist Deine Auffassung. Ja, es ist polemisch. Und? Die Stellungnahme wäre Gelegenheit gewesen, einige Fehler des Beitrages geradezurücken. Leider hat die aspekte Redaktion diese Möglichkeit mAn nicht genutzt. Ich habe in meinem Kommentar eine andere Thematik als Beispiel aufgegriffen und im Sinne der Verdeutlichung ebenso pauschaliert. Für mich in diesem Zusammenhang vertretbar, denn die Überspitzung sollte soweit erkennbar sein. Das es sachlich vollkommener Quatsch ist habe ich ja unmittelbar selbst festgestellt. Weiterhin ist die Bezeichnung „vorherrscht“ ein Anzeichen, dass der gesamte Artikel überwiegend respektlos im Ton ist. Diesen Vorwurf weise ich zurück.

      4) mAn ist kein Wort sondern eine Abkürzung und steht für meiner Ansicht nach; wird teilweise auch mit mMn (meiner Meinung nach) oder IMO (in my opinion) genutzt

  9. Grandios finde ich im Übrigen auch diese Anmerkung:
    „Von den 156 Menschen, die seit 1990 bei rechtsextremistischen Übergriffen zu Tode kamen, ist die Hälfte im Osten ermordet worden.“

    Heißt ja logisch, dass die andere Hälfte im Westen getötet wurde. Die Hochrechnung auf die Einwohnerzahl sollte dabei doch deisen Fakt nicht verschleiern. Gut, der „Westen“ hat ein größeres Gebiet, ist es also eine größere Angstzone? Diese einseitige Betrachtung ist einfach zum heulen.

  10. meine Annahme er sei Türke bezog sich auf sein Buch und ist letztlich auch nicht von großer Bedeutung zum Thema, dennoch danke für die Aufklärung :-)

    Ihn als Landsmann zu bezeichnen finde ich jedoch befremdend, schließlich trägt seine Hetze und Verleumdung nicht dazu bei, dass Ost / West Abgrenzungen endlich abgebaut und beendet werden …

    Zu Pfarrer König kann ich nur sagen, dass da zu offensichtlich ebenfalls der Verfassungsschutz und der Rechtsstaat versagt haben muss …

    Einen positiven Einfluss auf seine „Schützlinge“ hat der jedenfalls nicht in allen Fällen. Sämtliches Treiben mit Antifaschismus zu begründen ist auch alles andere als Glaubwürdig. Als Pfarrer ist er alles andere als ein glaubwürdiger Repräsentant der Kirche …

    Ich bin kein Freund der „Linken“, sondern bevorzuge die Freiheitlichen und Christlichen Werte.

    Zurück zum Thema und zu den Behauptungen Ausländer würden sich in Jena nicht wohlfühlen: Ich war heute in der Uni Klinik in Lobeda wo sehr sehr viele Ausländische Ärzte und Studenten sind.

    Man hat bei denen nicht, wie im Bericht behauptet, das Gefühl sie hätten Angst in Jena … Kenne auch einige von denen persönlich. Denen geht es gut, und das ist ja auch richtig so …

    Dennoch ist es schade, dass sich nicht alle der Ausländer so integrieren wollen. Das ist einfach so und wer das nicht erkennt ist auf beiden Augen blind.

  11. Wenigstens hat sich das ZDF versucht sich reinzuwaschen. Wir Ossis bleiben aber wachsam und verfolgen den weiteren Weg über alle möglichen Berichterstattungen. Gott sei Dank gibt es das Internet! Günter

  12. Pingback: ZDF-Beitrag “Extreme Gewaltbereitschaft” – Videoantwort von aspekte - Wie ernst kann man die Redaktion nehmen? | steve-r.de

  13. Guten Abend Steve!

    Angesichts der späten Stunde fasse ich mich kurz.
    Es ist mir jedoch ein inneres Bedürfnis , dir mitzuteilen,dass ich deinen Kommentar , sowie deine Reaktion auf oben zu lesene Provokation sehr, sehr gut finde !!!
    Bin sehr erfreut über deine unschlagbare Argumentation !
    Weiter so ! Grosses Lob !

  14. Ich denke, dass Jena hier kein Einzelfall ist. Es kommt bestimmt nicht selten vor, dass ein Nest oder gleich ein ganzes Bundesland (Sachsen, Brandenburg, Thüringen) leicht durch solche Beiträge in Verruf gerät. – Und was bleibt dem Zuschauer an Informationen langfristig im Kopf: „Geh bloß nicht in den Osten/ nach Sachsen, das sind alles Nazis dort.“
    Problematisch ist vielleicht auch, dass sich die Neonazis dann genau an solchen von den Medien „in die Luft gehobenen“ Orten treffen. Die karren ja auch möglichst viele Leute ran, um den Eindruck zu erzeugen sie seien ach so viele..

  15. Jährlich werden zehntausende Bücher veröffentlicht.
    Die Prognose eines Buches traf aus Versehen auf die aktuelle politische Lage zu.
    Herr Uhly darf dank seiner Prognose in eine ihm völlig unbekannte Stadt fahren, hauptsache irgendwo im braunen Sumpf im Osten.
    Durch seine Gleisanbindung war es zufällig Jena. Herr Uhly musste auch den Zug nehmen, denn von München ist er, wie er sagt, nach Jena „in den Osten“ gefahren. Hätte er das Auto genommen, würde er wahrscheinlich noch jetzt in Linz im Osten umher irren und Nazis suchen. Der Typ sollte sich einen Kompass leisten. Wenn er es jedoch tatsächlich noch einmal von München in den Norden nach Jena schafft, sollte er sich warm anziehen, denn so mach friedvoller Nazihasser könnte mittlerweile den Krieger in sich entdeckt haben, ob der pauschalen Verurteilung unserer schönen Bundesländer mit seinen Millionen friedlicher Menschen.

  16. nja ich sag mal TYPISCH MEDIEN…..alles unnatürlich aufpuschen…auf gut recherschiertes legt das heutige sensationspuplikum und auch die sensationsgeile nachrichten welt kein werd mehr….spätestens wenn der iran seine atombombe zündet wird von dem thema Rechtsradikale in deutschland kein einziger sender mehr berichten….und ja die linksradikale seite ist genauso schlimm wie die rechtsradikale fällt vlt. nur nicht so auf ich weise hier nur mal auf das wort „autonom“ hin was hier gerne immer mit links oder rechts in verbindung gebracht wird!

  17. und wieviel schaden dieses sensationsgeile anrichten kann hat man ja spätestens bei der EHEC sache gesehen (ja da waren auch die institute daran schuld aber die medien haben doch DIE SPANISCHEN gurken als DIE bösewichte verurteilt!)

  18. desweiteren (sorry für dreifachpost) sollte so manch ausländer froh sein hier in deutschland leben zu dürfen , denn wenn ich manch andere länder so anschaue beispielsweiße die schweiz mit ihrem synagogenverbot (obs noch aktuell ist weiß ich nicht) oder die USA mit ihren einwanderungsgesetz….dort werden ausländer mishandelt usw. und davon erfährt man kaum was (ich sag nur guantanamo ( könnte man auch als modernen KZ bezeichnen)) und hier in deutschland? kaum kommt soetwas raus (ja es ist schrecklich) werden einige millionen menschen direkt als rechts verurteilt? ich weiß nicht ob der ZDF nicht vlt. an realitätverlust leided

    • Steve Rueckwardt

      Die Aussage „sollte so manch ausländer froh sein hier in deutschland leben zu dürfen“ will ich so nicht stehen lassen. Es geht mAn immer um Menschen – und die sind nun mal individuell und verschieden. DEN Ausländer, DEN „Ossi“, DEN „Wessi“ etc. gibt es nicht.

  19. Hallo Zusammen,
    ich als alter Jenenser war über diesen Bericht total entsetzt. Ich hatte das ZDF (neben ARD) immer als letzten Sender mit Niveau betrachtet. Aber das gerade eine Sendung wie Aspekte jetzt auf Bildzeitungsniveau begibt ist schon enttäuschend. Sicherlich war in hier Jena Mitte der 90zige die Nazi- Scene recht brisant, allerdings ist das lange vorbei (zum Glück). Das einzig Gute an diesen ganzen Medien- Tata ist, dass jetzt auch mal unsere thüringer „Schutzmacht“ am Pranger steht die bei Natziaufmärschen in Jena generell nur die Gegendemonstranten verprügelt.

  20. Zu dem Thema, das sich mit dem Pfarrer König, doer auch „Zeckenpfarrer“ wie er oft genannt wird, möchte ich mich einmal äußern. Mein Nachbar arbeitet bei einem Getränkelieferanten, in der Nähe von Jena. Nun, da Herr König soetwas wie einen Jugendclub „betreut“, sollte an besagten Club eine Getränkelieferung getätigt werden. ALs mein Nachbar dort ankam, wurde er von den Punks angepöbelt, ihm wurde sogar gedroht.
    Ich finde es nur traurig, dass solche Leute, die diese Punker unterstützen, als „Helden“ dargestellt werden. Weiterhin fand ich es doch amüsant, dass bei dem Gespräch zwischen Herr Uhly und Herr König ein Plakat im Hintergrund hing, auf welchem stand: „Kapitalismus kaputthauen“ (daruf zu sehen war eine Faust, die zuschlug. Leider weis ich nichtmehr, worauf) . Für einen Pfarrer schon etwas hart, oder nicht?

  21. @Fabian: Da gebe ich Dir uneingeschränkt recht.

    Dieser König ist und bleibt eine zwielichtige Gestalt, der seine Stellung als Kirchenvertreter schamlos ausnutzt, Auch er fördert Gewalt und das macht ihn zu einer erheblichen Gefahr.

    Wer das nicht wahr haben will ist auf dem „linken Auge“ blind …

  22. Einfach nur peinlich das ZDF. Da werden die Jenaer diffarmiert und dann noch Werbung für
    ein an Borniertheit kaum zu übertreffenden Buch gemacht.

    Die Zeit des objektiven Journalismus ist wohl auch bei den ÖR vorbei.

    §11

    (2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.
    .

  23. Pingback: Welche Aufgaben hat eine Rundfunkanstalt im öffentlich-rechtlichen Rahmen? - Eine Analyse am Beispiel des ZDF. | steve-r.de

  24. Lieber Steve,

    ist es möglich die Podiumsdiskusion, als live stream ins Netz zu stellen, oder ein Mittschnitt nach der Diskusion hochzuladen?

    Danke :)

    • Steve Rueckwardt

      Hallo Konne,

      dies kann ich leider nicht sagen. Ich gehe jedoch davon aus, dass es zumindest aufgezeichnet wird. Mehr ist mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

  25. Lieber Steve, liebe ZDF-Redaktion,

    merkwürdig ist, dass gerade sich das ZDF mit einer Analyse über Rechtsterrorismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigt.. Ein Blick ins eigene ZDF-Forum zeigt, dass Antisemitismus nicht nur ein rechtsradikales Problem darstellt, sondern auch ein linksradikales. (Link)

    @Steve schreibt:
    „Ich lebe in Ostdeutschland, in Jena, und ich habe Angst…“

    ZDF-Redaktion
    „… Allerdings halten wir es für journalistisch vertretbar, dass wir dem Schriftsteller Steven Uhly, der sich wie viele andere Bürger auch in den östlichen Bundesländern von manifester Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Pöbeleien bedroht fühlt, ein Forum gegeben haben.“

    Um es auf dem Punkt zu bringen: Solange es den roten Sumpf in Ost- bzw. West-Deutschland geben wird, solange wird es auch den den braunen Sumpf weitergeben. Die einen sagen es frei nach Berliner Schnauze, die anderen bemühen sich um eine geschickte Tarnung ihres Hasses. Ziel muss sein: beides zu bekämpfen. Sonst wittern die Nachkommen der Roten Armee Fraktion (RAF) wieder Morgenluft.

    • Steve Rueckwardt

      Hallo Bart,

      danke für Deinen Kommentar.

      In meiner Kritik geht es mir jedoch nicht um die Thematik Rechts- oder Linksextremismus sondern um die Art und Weise wie der Beitrag gemacht und wie letztlich mit der Kritik hierzu umgegangen wurde.

      Auch die Überschrift meines ersten Artikels, welche Du zitiert hast, ist lediglich eine Antwort auf den Tenor des aspekte-Beitrages und mit ein wenig Polemik . Ich habe KEINE Angst hier zu leben, ganz im Gegenteil. Diese Aussage steht auch nicht im geringsten im Zusammenhang mit Extremismus, egal von welcher Seite. Nur wünsche ich mir – gerade von einer öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt einen sauberen und objektiven Journalismus. Am Beispiel des ZDF habe ich die Selbstverpflichtungen (Richtlinien, Satzung etc) hierzu und die Grundlage des Staatsvertrages entsprechend analysiert.

      Thematiken wie Linksextremismus oder Rechtsextremismus bitte ich gesondert zu debattieren und nicht in diesem Rahmen.

      Vielen Dank.

  26. Ich glaube Deutschland ist ein gastfreundliches Land , würden sonst über 5MIO Ausländer hier leben! Ich kenne in meinem Umfeld etliche Menschen aus der ehem. Sojetunion ,keiner fühlt sich hier unwohl .Günter

  27. Ganz nebenbei stand heute ein Artikel von Herrn Uhly in der Thüringer Allgemeine, in dem er unter anderem schrieb, dass der Beitrag des ZDF sehr einseitig dargestellt wurde und die Dreharbeiten anders verliefen seien. Jedenfalls sagte er auch noch, was ich sehr amüsant finde, dass er sich bei Herrn König eher unwohl fühlte. :D

  28. keine Zeit den ganzen Bericht zu lesen, aber Uhly behauptet, dass das Fernsehen ihn nach Jena geladen hätte …

    Werde mir später alles durchlesen, denn das scheint interessant zu werden :-)

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