Stellungnahme von Steven Uhly – Schwarzer Peter an aspekte-Redaktion?

Ich war heute fast den ganzen in der Offline-Welt unterwegs und hatte kaum Möglichkeiten online zu agieren. Und schon geht das Thema mit einem gar nicht so unwichtigen Aspekt weiter. Gegen 17 Uhr erfuhr ich telefonisch von einem ganzseitigen Bericht in der Printausgabe der OTZ, in welchem Steven Uhly sein Statement zum aspekte-Beitrag vom 18.11.2011 abgab und sich den Vorwürfen äusserte.

Die Stellungnahme kann man sowohl bei der OTZ wie auch bei der TA online nachlesen:

Wie Jena im ZDF zur Stadt der Angst wurde

Die Schilderungen, in dem doch recht ausführlichen Statement, werfen ein etwas anderes Licht auf den Werdegang der Erstellung des Beitrages vom 18.11.2011. Laut Aussage von Uhly wurde er von der aspekte-Redaktion nach Jena eingeladen. Ursprünglich war Zwickau geplant, wurde aber aufgrund zwei von aspekte ausfindig gemachten „Persönlichkeiten“ auf Jena geändert. Weiterhin schildert er, dass Szenen mehrfach von ihm durchlaufen werden mussten und gestellt waren.

Mit den beiden „Persönlichkeiten“ selbst habe er nur gesprochen, wo die Kamera aus war. Die eigentlichen Fragen an die  Interviewpartner wurden vom Fernsehteam gestellt – im Beitrag erschiene dies dann jedoch so, als seien die Fragen von ihm gekommen. Auch die Lage im Dönerladen wird von Uhly gänzlich anders geschildert und auch die Aussage von aspekte-Chef Läpple, der Besitzer hätte Angst, wird von Uhly relativiert bzw. bekommt eine andere Perspektive.

Die Angstaussage über Jena bzw. „Ostdeutschland“ wird von ihm indirekt bestätigt. Dies gestehe ich ihm jedoch als legitim zu, wenn es seine Sicht und seine Gefühle sind. Seine Begründung teile ich zwar nicht gänzlich, respektiere jedoch seine Sicht der Dinge.

Im Tenor des Statements geht der „Schwarze Peter“ noch mehr in Richtung aspekte-Redaktion. Mein Wunsch, nach einem Statement des ZDF und einer klaren Aussage der Verantwortlichen des Senders und ihrer Sichtweise zu den Sachverhalten wird hiermit weiter verstärkt.

Seine Entschuldigung nehme ich ihm zu einem gewissen Umfang auch ab:

Ich bin von den Autoren des Beitrags auf diese Angst reduziert worden. Es tut mir leid für die Stadt Jena, dass sie auf äußerst suggestive Weise so negativ dargestellt wird. Es ärgert mich, dass ich nun Bestandteil eines so einseitigen Fernseh-Beitrags bin und es anfangs nicht wahrnahm.

Ist Herr Uhly nun aber aus dem Thema raus? Hat er sich mit seiner Stellungnahme „reingewaschen“? Ist die Stellungnahme glaubhaft? Meiner Ansicht nach hängt er definitiv genauso in der Sache drin, wie die aspekte-Redaktion und das ZDF. Natürlich wird er sich nicht alles in der Stellungnahme aus den Finger gesaugt haben. Die Art der Schilderung vermittelt zumindest nicht diesen Eindruck. Klar, er ist Autor von Fiktions-Literatur, da gibts ne ordentliche Portion Phantasie. Aber komplett aus den Fingern saugen – glaube ich nicht.

Fest steht jedoch für mich auch, dass er natürlich versucht, mit diesem Statement etwas aus der Schusslinie zu geraten. Teilweise gelingt es ihm mAn, aber er hat in seiner „Erklärung“ wieder den Roman ins Spiel gebracht, in einem Umfang, der nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Ebenso fand ich die Schlussaussage über die amazon-Bewertungen ziemlich deplaziert. Inhaltlich mag er evtl. Recht haben (ich kenne das Buch nicht) aber von seiner Wortwahl her etwas unpassend. In seiner Stellungnahme stellt er die Frage:

Aber ich frage mich: War das, was man im Fernsehen sah, so schlimm, dass es gerechtfertigt ist, mich zu diffamieren und zu dämonisieren?

Nein, natürlich war es das nicht. Es gibt mAn generell keine Gründe, Menschen zu diffamieren oder zu dämonisieren. Dies trifft aber auch anders herum zu. Eine ganze Region zu diffamieren und zu dämonisieren ist ebenso nicht gerechtfertig.

Beim ersten Sehen des Beitrages habe er die Stimme aus dem Off sowie die Musik gar nicht so wahrgenommen, schreibt Uhly. Erst nach der Aufregung über den Beitrag habe er gemerkt, dass man es auch anders verstehen kann. Ausflüchte oder Realität? Schwierig einzuschätzen. Fakt ist, dass er mitgewirkt hat. Er selbst sagt, von seinen Aussagen sei letzlich nicht mehr viel übrig geblieben. Dies ist ihm scheinbar beim ersten Sehen auch nicht aufgefallen.

Wenn auch nicht ganz uneigennützig ist seine Stellungnahme durchaus differenziert. Etwas, was bisher von Seiten aspekte nicht behauptet werden kann. Spannend wäre, wenn Herr Uhly ebenfalls am 05.12.2011 mit auf dem Podium sitzt und seine Aussagen direkt gegenüber aspekte-Chef Läpple vorbringt. Wird vermutlich wohl aber nicht passieren.

Meine Anfrage an das ZDF ist bis dato leider noch offen. Liegt dem ZDF aber auch erst 2 Tage vor. Zwischenzeitlich hat mir der Jenaer Lokalsender JenaTV schriftlich bestätigt, dass man am Montag bei der Podiumsdiskussion vor Ort sei und das Ganze wahrscheinlich sogar live senden wolle. So können zumindest in Jena die Bürger das Ganze am TV verfolgen. Für gewöhnlich werden die JenaTV-Beiträge auch bei YouTube eingestellt, und man dann somit die Diskussion auch im Nachgang anschauen.

 

weitere Berichte zur Stellungnahme Uhlys:

Steven Uhly distanziert sich von „einseitigem“ ZDF-Beitrag über Jena

Leserbriefe zu „Wie Jena im ZDF zur Stadt der Angst wurde“

Steve Rueckwardt

Veröffentlicht von

steve-r.de

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gesagt ist gesagt, Steve

    Wer sich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen (u.a. ZDF oder ARD) einlässt , muss mit allem rechnen. Aspekte ist keine rechtspopulistische Sendung, sondern eine Linkspopulische. So wie die Sendung Monitor, bei der ARD, aus einer Eifelerin – eine Jüdin machte, die nach Gaza mit dem Segelschiff schipperte, so haben die Verantwortlichen von Aspekte, dich vom Bock zum Gärtner gemacht.. Jammern hilft da nicht.

    In den Redaktion, des öffentlich-rechtlichen Fernsehen, überlegt man sich zurzeit, wie man aus einer Mücke einen Elefanten machen kann. Die Menschen in Deutschland sollen das Gefühl bekommen, als würde „morgen“ eine Machtergreifung der NAZIS bevorstehen. Und alle, die auch nur im Entferntesten damit Zutun haben, werden als Verdächtige gesichtet.

    Ob es nun Thüringer oder im besonderen die Menschen aus Jena sind, alle werden per se unter Generalverdacht gestellt. Sollte sich noch jemand erlauben eine andere Meinung zu äußern, wird er automatisch zum brauen Sumpf gezählt. Möglich ist das nur, weil zurzeit der rote Mob das Sagen hat. Genauso wie die RAF (Rote Armee Fraktion) ihre Opfer benutzt hat, um ihre politischen Ziele zu erreichen, so benutzen sie jetzt und eiskalt, die 10 Todesopfer der kleinen Terrorzelle (NSU) aus Zwickau. Es ist schon schlimm genug ,das 10 Menschen sterben mussten, aber das jetzt auch noch politisches Kapital herausgeschlagen wird, ist einfach nur ekelerregend.

    • Steve Rueckwardt

      Hallo Bart,

      ich habe doch an keiner Stelle gesagt, dass ich das Thema nicht wichtig und richtig finde. Oder verstehe ich Dich falsch?

      Kein Medium ist neutral, da es von Menschen gemacht wird und diese immer versuchen werden, Ihre Ansicht mit einzubringen. Das ist soweit auch ok. Wenn es jedoch Tatsachen falsch wiedergibt muss man auch mit der Kritik leben und dann auch den Ar*** in der Hose haben und einen offensichtlichen Fehler eingestehen.

      Dass Du eine von mir sachlich aufgeführte Kritik als jammern ansiehst finde ich schade und kann diese Sichtweise auch nicht nachvollziehen.

      In meiner Kritik geht es mir jedoch nicht (oder nur sehr eingeschränkt) um die politische Aussage/Thematik. Es geht mir – wie bereits mehrfach betont – um die Art und Weise wie der Beitrag gemacht wurde. Und dies entspricht eben nicht den Statuten des ZDF. Das wir in diesem (wie auch in anderen Ländern, ja der ganzen Welt) politische Probleme haben, gleich aus welcher politischen Richtung diese kommen mögen, ist unbestritten. Nur halte ich eine Diskussion hierüber an dieser Stelle für deplaziert.

  2. Jaja, vorher überlegen, ihr Lügner und Spalter der Nation!
    Menschen kann man auch mit Worten töten.
    Ihr verlogenen Medien, macht nur weiter so.
    Damit schafft ihr es, dass sich ganz normale Menschen anderen Gruppierungen zuwenden.

    • Steve Rueckwardt

      @Renate:

      Zu Sachlichkeit gehört auch eine gewisse Wortwahl. Du hast inhaltlich Recht. Nur bin ich der Ansicht, dass man dies auch anders ausdrücken kann.

      Wen meinst Du denn mit „Euch“ und wie kommst Du darauf, dass die Wahrheit nicht erwünscht ist?

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