Deutsche Bahn – 3 Dinge die mich in unserer Beziehung stören

Bisher war ich immer überzeugt davon, Reisen mit meinem eigenen PKW zu unternehmen. Ich bin flexibel, unabhängig und muss mich nicht an irgendwelche An- und Abfahrtszeiten halten. Praktisch eben. Für längere Strecken gab es im Jahr so ca. 5-10 Anlässe – recht überschaubar wie ich finde.

Aus verschiedenen Gründen wird dies aber deutlich ansteigen. Ich habe mich daher vor einigen Wochen etwas intensiver mit der Deutschen Bahn beschäftigt. Man hört bzw. liest ja desöfteren das ein oder andere Negativerlebnis, was mich natürlich verunsicherte. Von anderen hört man dann wieder, dass es gar nicht so schlimm sei. Also bleibt nur eines: selber ausprobieren! :)

BahnCard geordert und Account für Online-Buchung eingerichtet – fertig. Die Strecken, welche ich vor habe zurückzulegen sind je Fahrt mind. 2,50 Stunden lang. Diese Zeit kann ich nutzen, um noch etwas zu arbeiten, zu lesen etc. Dinge, welche ich im Auto nicht erledigen kann. Bahn fahren ist innerdeutsch auch meist besser als fliegen. Weiterer Vorteil – es ist umweltfreundlicher. Also alles gut? Leider nein.

1.) BahnCard 25 vs. BahnCard 50

Meine Planungen, nun öfter Bahn zu fahren führten schnell dazu, mich für eine BahnCard zu entscheiden. Die BahnCard 50 (2. Klasse) ist natürlich verlockend und mit derzeit 230,00 EUR auch nicht unbedingt teuer, wenn man häufiger dieses Verkehrsmittel nutzt.

© Bernhard Richter - Fotolia.comBeim testweisen eingeben verschiedener Fahrten stellte ich fest, dass es in bestimmten Konstellationen mit einer BahnCard 25 günstiger ist. Ich glaubte an einen Fehler meinerseits und kontaktierte die Hotline. Leider wurde meine Feststellung dort bestätigt. Bei Sparpreisen erhält man als BahnCard 25 Inhaber auch auf den Sparpreis 25% Nachlass. Mit einer BahnCard 50 erhält man jedoch keinerlei Nachlass auf einen Sparpreis.

Diese Regelung ist mir gänzlich unverständlich. Ok, einen Sparpreis nicht nochmals stark zu reduzieren ist sicher verständlich. Aber warum geht man dann seitens der Deutschen Bahn nicht den Weg und gewährt den BC50 Inhabern bei Sparpreisen zumindest die gleichen Konditionen wie einem BC25 Inhaber? Somit wäre keiner benachteiligt.

2.) Indentifizierung beim Online-Ticket und mitzuführende Karten

Bei der ersten realen Buchung wurde ich nach einer Identifizierung für das Ticket gefragt. Hier konnte ich zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen u.a. BahnCard, Kreditkarte und EC-Karte. Um nichts falsch zu machen kontaktierte ich erneut die Hotline und lies mir den Sachverhalt erklären. Um sicherzustellen, dass derjenige, der mit dem Ticket unterwegs auch der Richtige ist müsse man ein Indentifizierungsmerkmal angeben. Ok, so wirklich plausibel erschien mir dies zwar nicht, aber wenns die Bahn so haben will.

Ich entschied mich für Kreditkarte, da ich die Tickets ja auch damit bezahlen wollte und diese eh immer dabei habe. Ich erkundigte mich noch, ob ich ausser dieser Kreditkarte dann noch etwas wie z.B. die BahnCard mitführen müsse. Dies wurde verneint, auch auf nochmalige Nachfrage. Das freute mich, will ich doch nicht noch eine Karte mitführen müssen, zumal die BC25 neuerdings ohne Bild ist und bei Verlust das Missbrauchsrisiko somit höher.

Ich buchte also mein Ticket, gab an, dass ich eine BahnCard 25 habe und zahlte mit Kreditkarte, welche ich dann auch als Identifizierung angab.

Im Zug dann die übliche Kontrolle. Und was wollte der Bahnmitarbeiter sehen? Richtig, meine BahnCard 25. Ich erläuterte, dass man mir an der Hotline seines Arbeitsgebers zugesichert habe, dass ich lediglich die Kreditkarte benötige und fragte, zuwas er denn neben der Kreditkarte auch noch die BahnCard benötige. Der Bahnmitarbeiter erläuterte mir freundlich aber bestimmt, dass ich hier wohl falsch beraten worden sei und er ja prüfen müsse, ob ich auch tatsächlich eine BahnCard besitze und somit den Nachlass rechtmässig erhalten habe.

Warum muss ich mich bitte in der Bahn indentifizieren wenn ich mit einem Online-Ticket reise? Ich habe das Ticket dabei und das ist bezahlt. Wieso also diese Umstände? Bei Kauf eines Tickets am Automaten ist dies doch auch nicht notwendig, oder?

Und weshalb muss ich die BahnCard extra noch mitführen? Die Prüfung kann doch bei der Ticketbuchung erfolgen, wo ich ja eh schon angebe, dass ich mit BahnCard buchen möchte. Hier erfolgt aber keinerlei Abfrage der BahnCard-Nummer. Ist das technisch so aufwendig? Ich glaube kaum.

3.) Sitzplatzreservierung

Ein weiterer Punkt, welcher mir etwas negativ aufgefallen ist, ist die Sitzplatzreservierung. Diese greift soweit ich es bis jetzt festgestellt habe, nur in IC und ICE-Zügen. Soweit kein Problem. Aber warum bitte muss ich einen Sitzplatz reservieren, noch dazu kostenpflichtig? Wenn ich ein Ticket für einen ICE- bzw. IC erwerbe, darf ich dann als Kunde nicht erwarten auch sitzen zu dürfen?

Nicht nur, dass ich es als relativ kundenunfreundlich finde, wenn jemand ein Ticket kauft, dann für einen – aus meiner Sicht selbstverständlichen – Sitzplatz nochmal extra Geld zu verlangen. Man stelle sich dies einmal in einem Kino o.ä. vor… Nein, es ist dann auch im Zug selbst ziemlich nervig. Man steigt an seinem Bahnhof ein und sucht seinen Platz, da sitzt dann aber schon jemand, der keinen Platz reserviert hat. Diese Person muss man nun aufscheuchen, sein Gepäck zusammenpacken lassen und erst dann kann man seinen reservierten Platz einnehmen. Der andere irrt dann teilwese einige Zeit durch das Abteil um noch einen neuen Platz zu finden. Ich bin bisher noch nicht so oft gefahren, aber 1-2 Fälle gab es in dem Abteil in dem ich zugestiegen bin eigtl. bei jeder Fahrt .

Fazit

Im Grossen und Ganzen kann ich mich nicht beschweren. Die Züge in welchen ich bisher gefahren bin, hatten keine oder nur wenige Minuten Verspätung. Auch die Fahrten an sich waren angenehm und bequem, wenngleich ich bei den ICE-Fahrten stellenweise das Gefühl hatte, der Zug steht. :) Das Personal an der Hotline, am Schalter und auch im Zug war bisher immer freundlich.

Vielleicht sehe ich die obigen Punkte auch zu naiv, aber mir kommt es nicht komplex oder zu aufwendig vor, diese Dinge zu ändern. BC25 und BC50 bei den Sparpreisen gleiche Preiskonditionen einzuräumen halte ich für fair. Für die Identifizierung bei Online-Tickets fehlt mir derzeit eine plausible Erklärung.

Bei der Buchung eines Tickets unter Angabe einer BahnCard-Nummer und der gleichzeitigen Prüfung dieser würde sich mitführen selbiger sowie deren Überprüfung im Zug erübrigen. Und das jeder Fahrgast zumindest bei Langstrecken einen Sitzplatz im Fahrpreis inklusive hat sollte doch eine Selbstverständlichkeit für ein Dienstleistungsunternehmen wie die Deutsche Bahn sein.

Ich bin aber gespannt wie es in meiner Beziehung mit der Deutschen Bahn weitergeht und freue mich auf die kommende Zeit. :cool:

Steve Rueckwardt

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit der Identifizierung ist ärgerlich. Ich wußte, daß ich die Bahncard dabei haben muß, weil ich das vorher bei anderen beobachtet hatte. Daher habe ich eben die Bahncard als Identifizierungsmöglichkeit gewählt.
    Aber natürlich hast Du recht mit der Kontrolle bei Erwerb. Am Schalter läßt sich der Angestellte dort ja auch schon die BC zeigen. Und wenn Du online in deinem Konto bist, sollte das Programm das erst recht wissen. Aber die Verknüpfung der Kundendaten mit anderen Programmen gibt es bei der Bahn bisher offenbar nur ungenügend. Daß ist mir bei anderen Geschichten auch schon aufgefallen.

    Mit dem Sitzplatz hast Du ebenfalls völlig recht. Reell wäre es, bei ausgebuchten Zügen den Kunden darauf hinzuweisen, daß nur noch Stehplätze zur Verfügung stehen und die Fahrt zum halben Preis anzubieten. Und auch das nur in begrenzter Anzahl. Ich bin schon mehr als einmal in völlig überfüllten ICEs mitgefahren, ohne Möglichkeit, auch nur bis zur Toilette durchzukommen.

    Die Bahn ist im Prinzip das geschickteste Verkehrsmittel und Verspätungen eigentlich nicht schlimm, das passiert mit dem Auto auch. Nur muß ich da keinen Anschlußzug bekommen. Das ist die Krux. Dem kann die Bahn nur mit mehr Zügen und anderen Taktungen begegnen. Aber ich glaube, das werden sie nicht in den Begriff bekommen.

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  4. Ich mag Ihren Schreibstil, lassen Sie die überflüssigen Anglizismen weg und ich werde ihn lieben.
    Was als Anmerkung, ich fahre häufig Bahn. Die Identifizierung ist beim „Online-Ticket“ notwendig, weil es möglich wäre, die Fahrkarte beliebig oft auszudrucken. So lautet die Begründung der Bahn. Ist beim Flugzeug doch auch so, nur wer seine persönlichen Angaben hinterlässt, wird befördert. Nur dass dort selbstverständlich der Personalausweis (oder ähnliches) als Identifizierungsnachweis akzeptiert wird. Deshalb eher ein Kommunikationsproblem der Bahn, inhaltlich eigentlich i. O.
    Fahrkarten können am Schalter, Automaten („offline“) für jede beliebige Person erworben werden. Ich kann auch ohne Bahncard eine Fahrkarte Ulm Augsburg mit Bahncardrabatt erwerben. Nur fahren darf ich damit nicht. Deshalb findet die Kontrolle im Zug statt.

  5. Die Geschichte mit der Identifizierung habe ich letztes Wochenende erlebt. Auf dem Online-Ticket steht ja nicht einmal drauf, dass man die Bahncard mitführen muss, lediglich, dass die ID-Karte (auch bei mir Kreditkarte) vorgezeigt werden muss. Das Ticket habe ich auch über mein Kundenkonto gekauft, habe angenommen, dass das irgendwie auf dem Audruck vermerkt ist. Auf eine Diskussion liess sich die Dame von der Fahrscheinkontrolle nicht ein und ich musste den 25% Rabattanteil (Bahncard25) augenblicklich im Zug „zurückzahlen“. Den Rabattbetrag könne ich mir später am Schalter nach Vorlage meiner Bahncard wieder auszahlen lassen. Bei einem Ticketpreis von 28€ hatte die Kontrolleurin mir noch einmal 11,50€ abgenommen, am Schalter habe ich 4,50€ zurückbekommen, 7€ Bearbeitungsgebühr hat die Bahn einbehalten.(!)
    Ich frage mich auch, warum es keinen anderen Weg gibt. Als Abonnent sind doch meine Daten bekannt, das Ticket ist zeitlich beschränkt, wie soll ein Betrug von statten gehen? Es wäre doch durchaus vorstellbar, dem Fahrgast zunächst eine Mahnung oder eine Zahlungsaufforderung/Überweisungsträger mitzugeben und ihm die Chance des Nachzeigens zu geben. Falls das nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums erfolgt, kann die Bahn gerne den zuerst gewährten Rabatt zurückverlangen.

  6. Dass man im Zug die BahnCard vorzeigen muss, ist doch nachzuvollziehen. Du könntest die am heimischen PC erworbene Fahrkarte ja jemand Anderem geben, der keine BahnCard hat. Und was sagt die Kreditkarte aus? Jedenfalls nicht, welche BahnCard-Ermäßigung du hast. Am Bahnschalter will übrigens normalerweise niemand die BahnCard sehen, denn du könntest – wie gesagt – die Karte für jemand Anderen da kaufen – das wird also erst im Zug relevant.

    • Steve Rueckwardt

      Zunächst geht es ja darum, dass mir trotz Nachfrage zugesichert wurde, dass das mitführen der Kreditkarte ausreiche.

      Weiterhin kann die Gültigkeit meiner BC ja bereits bei der Onlinebuchung erfolgen. Ob ich wirklich ich, also der Inhaber der BC und der rechtmässige Bucher des Tickets bin, wird ja über das Indentifizierungsmerkmal geprüft. Es liesse sich mMn an einigen Stellen optimieren und sowohl für den Bahnkunden wie auch die Bahn effizienter gestalten.

  7. Meine Fahrkarte (BC 25) ist heute im ICE geprüft worden. Der Prüfer wollte nicht nur meine BC 25 sehen sondern auch noch meinen Personalausweis. Er meinte, jeder Bundesbürger müsse seinen Personalausweis mit sich führen (was im Übrigen nicht stimmt!). Ich fand das ziemlich ärgerlich, wollte mich aber auf keine Diskussion einlassen. Schließlich hat sich der Prüfer mit der Kreditkarte (als zusätzliche Identifizierung) zufrieden gegeben. Ich kam mir vor wie bei einer Polizeikontrolle.

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